1.Trekkingtag, "Flug nach Lukla (2840m) und Wanderung nach Phakding (2610m)"


 

Gut ausgeschlafen heißt es um 6 Uhr aufstehen und um 7.30 Uhr sitzen wir bei englischem Frühstück im Speisesaal des Hotels. Pünktlich um 8.30 Uhr hocken alle erwartungsvoll im Bus, der uns zum Flugplatz fährt (wieder diese irren Eindrücke entlang der Strecke), doch diesmal zum Terminal für die Inlandsflüge. Das Einchecken dort verläuft wie später fast alles in diesem sympathischen Land - mehr oder weniger chaotisch wirkend. Schon nach wenigen Minuten sind die Formalitäten erledigt. Tej und Tendi lotsen uns durch den Schalter: Dazu tun wir einfach ein großen Schritt über die Kofferwaage! Sekunden später haben wir den „Sicherheitscheck“ passiert. Wären in meinem Rucksack Handgranaten verborgen, ich hätte Yeti-Air später nach meinen Wünschen in alle Himmelsrichtungen dirigieren können.

Gesamtkarte unseres Trekkings Gesamtkarte des Trekkings
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Dann heißt es warten: Wir werden fliegen, irgendwann, demnächst, so viel steht fest. Aber einen festen Zeitpunkt kann Tej uns nicht verraten. Ich erstehe die Karte vom Mount-Everest-Gebiet, die zu Hause im Buchladen über 34,- DM hätte kosten sollen. Hier im Flughafen-Kiosk, mit ein bisschen Handeln, lege ich umgerechnet weniger als zehn Mark auf den Tresen! Schön, so kann die Route wenigstens vorab und hinterher immer wieder betrachtet werden... Diese und jede andere Landkarte werden später übrigens auch noch in Namche angeboten und sind auch in Kathmandu und vielen Geschäften zu haben.

 

Überraschenderweise dauert das Warten nicht mal eine Stunde und dann geht es mit einem klapprigen Bus aufs Hallenvorfeld. Aber wo ist Yeti-Air? Fünf Minuten später sehen wir die Twin-Otter einschweben und vor uns parken. Eilig wird sie entladen, währenddessen läuft die Betankung und die Passagiere steigen aus. Schließlich verschwindet unser Gepäck im Bauch des Fliegers und wir steigen ein – vorbei an einer hübschen, exotischen Stewardess, deren einzige Aufgabe es ist, zu Beginn des Fluges ein Bonbon zu reichen. Danach verliere ich sie aus den Augen, denn sie sitzt irgendwo hinten und die Sitze der Twin-Otter stehen derart brutal eng, dass man sich nicht umdrehen mag noch kann. Ich beobachte die Arbeit der beiden Piloten. Sie wirkt routiniert und sicher, lässt uns um zehn Uhr abheben und damit beginnt nun entgültig das Abenteuer „Himalaya“. Der Flug verläuft ruhig, doch je näher wir dem Ziel kommen und damit in die Region der höheren Berge vorstoßen, umso wolkiger wird es.Interessiert an Yeti Airlines? Hätten wir zu diesem Zeitpunkt die Lage der Piste von Lukla schon gekannt, der ein oder andere wäre sicher nicht ganz so zuversichtlich geblieben... Schließlich sehe ich sie, durch die Sichtscheiben der Pilotenkanzel. Der „Vogel“ ist im Sinkflug mit ziemlichem Gleitwinkel, weit vor uns, ein winziger, extrem kurzer Streifen an einem Berghang. Eine Landung auf ein paar Meter Landebahn? Bevor die Verwunderung in Furcht umschlagen kann, ist schon alles vorbei: Im Aufsetzmoment reißt die Twin-Otter die Nase hoch und nach unglaublich kurzer Ausrollphase bricht der Pilot die Maschine nach rechts aus, dreht sie um mehr als 180° auf einer ebenen Standfläche. Es ist elf Uhr. Schnell steigen wir aus und dann erst die Wahrnehmung, die allseits Kopfschütteln auslöst. Die Piste hat eine extreme Neigung, etwa 15 bis 20 Grad aufwärts, Richtung Berg. Und nachträglich nimmt mir die Erkenntnis schon ein bisschen den Atem, dass die Landung im ersten Versuch klappen muss!!! Durchstarten unmöglich, denn die Piste endet vor einer Wand, die sich in ansehnlich steiler Bergflanke fortsetzt. Ein erster Vorgeschmack dessen, was an Extremitäten noch alles auf uns zukommen sollte. Schon hier wird klar, mit unseren heimischen Maßstäben, die auf Komfort, Sicherheit, Genauigkeit und technischen Hilfen für alles und jedes basieren, ist dieser Urlaub nicht zu messen. Nepal ist anders und zwar völlig anders, als die Welt aus der wir kommen und deren Normensystem wir - natürlich - auch während der restlichen Tage des Trekkings verhaftet bleiben werden.

Lukla: Flugplatz "EXTREM"! Landungen gelingen immer - weil sie gelingen müssen! Landung Überlebt! Flugplatz Lukla

 

Am Ausgang des Flugfeldes steht eine große Schar kleingewachsener Einheimischer. Die Gesichter haben in der Mehrzahl mongolischen Einschlag: Sherpas! Sie warten auf einen für ihre und die Existenz ihrer Familien wichtigen Moment. Sie wollen als Träger angeheuert werden. Wie wir später erfahren, sucht Tej in diesem Moment die Leute aus. Da er keinen kennt, nach unerfindlichen Kriterien. Die sechs Porter schnappen sich unsere schreiend grünen Seesäcke und Reisetaschen und dann geht’s los Richtung Lukla. Oberhalb des Flugplatzes ziehen wir vorbei - wieder Kopfschütteln und Staunen über Kürze und Neigung der Landebahn - hinein in die belebte Hauptgasse von Lukla. Hauptstraße wäre völlig falsch formuliert, denn schon hier gibt es keine Fahrzeuge mehr. Als Transportmittel steht nur der menschliche Rücken und die Kraft von Rindern zur Verfügung. Im Hinterhof einer Lodge wird uns Tee serviert (Lemon Tea oder Black Tea with Milk) und die Träger teilen die Lasten untereinander auf. Für jeden von uns ist das Gewicht auf 13 kg limitiert und von diesen Lasten werden den Trägern zwei aufgebürdet. Ines und ich haben gemeinsam etwa 21 kg geschnürt, dazu schultert unser Träger noch Tejs Gepäck und das, was er selbst braucht. Ach ja, „schultert“ ist eigentlich falsch ausgedrückt. Die Last hängt an einem Band, das über den Kopf getragen wird. Das ganze Gewicht drückt also auf den Kopf und muss über die Halsmuskulatur stabilisiert werden...

Die Auftaktwanderung von Lukla nach Phakding

Tej müht sich, uns in einem Gemisch aus Englisch und Deutsch einiges zu erklären. Zunächst will er uns vermitteln, dass wir alle, die Kunden, die Guides und eben auch die Träger, wie eine einzige große Familie sind. Noch kommt mir dieser Vortrag unecht vor, als wollte er schon jetzt, ein wenig verschlüsselt, auf das am Ende fällige Trinkgeld hinweisen. Sehr bald werde ich verstehen, wie wahr das ist, wie sehr wir alle voneinander abhängig sind. Und obwohl die Porter meist irgendwo vor oder hinter uns laufen, werde ich doch immer das Gefühl haben, dass wir zusammen gehören ...

Die ersten Kilometer unseres Trekks führen durch das dicht besiedelte Tal des Dudh Koshi Flusses
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Um die Mittagszeit beginnt unser Marsch auf 2840 Metern Seehöhe. Die Träger sind recht schnell verschwunden, sie gehen immer ihr eigenes Tempo. Ausgangs Lukla die ersten buddhistischen Heiligtümer. Zunächst ein Tor mit ersten Gebetsmühlen, die im Vorbeigehen immer links herum zu drehen sind.

 

Ansammlungen heiliger Steine kommen ins Blickfeld. Sie sind - Religion und Kultur dieser Völker achtend - immer links zu umgehen. Tej erklärt uns das alles und schon hierbei habe ich das Gefühl, von einem sehr entspannten, völlig konfliktfreien Umgang mit den Fragen der Religion. Man soll das tun, man zeigt damit den Respekt vor den Göttern, in unserem Fall sicher eher vor den Menschen, die dieses Glaubens sind. Aber: Wenn man es nicht tut oder mal vergisst, so kümmert das auch niemanden. Hier ist keiner, der Fehler anderer registriert und reklamiert und  - wie wir das von zu Hause kennen - auch noch oberlehrerhaft korrigiert.

Fremde Kultur, fremder Glaube: Buddhistische Gebetsmühlen vor einem kleinen Kloster Ines besänftigt die Götter

Es geht abwärts, die Schlafhöhe in Phakding wird etwa 2600 m betragen. Vorbei an einer uralten, gewaltigen Eiche. Wie so vieles in diesem Land ist auch die Eiche ein Heiligtum, anscheinend ein wichtiges, denn Hinweisschilder in Nepalesisch und Englisch sollen verhindern, dass der Umkreis des Baumes zur Toilette verkommt. Immer wieder haben wir Einblicke in die Lebensweise der Menschen am Rande unseres Weges. Noch ist alles so neu und unerhört exotisch, noch lässt sich mit all den Beobachtungen nichts anfangen. Nach einer guten Stunde erreichen wir über eine schwankende, wenig vertrauenserweckende, zum Glück nicht zu weit gespannte Hängebrücke den kleinen Ort Thado Koshi.

 

Hier steht das Haus von Tendi, eine sehr neu aussehende, sogar frisch gestrichene Lodge. Der Tross rastet und wir bestellen unser erstes Trekking-Mittagessen: Ines nimmt eine „Springroll“ und ich entscheide mich für „Chickensoup“ (na ja, ´ne Tütensuppe, schmeckt ein wenig nach Chicken, ist aber wohl „Null“ Hühnchen ´drin).Nach ausgiebiger Pause, während der das erste von lediglich zwei Malen Regen fällt (Gewitter), setzen wir den Weg in stetem Auf und Ab fort. Wir passieren riesige, mit Nepali-Schriftzeichen verzierte heilige Steine - man nennt sie „Mani Steine“ - etliche Masten mit Gebetsfahnen, ein erstes Kloster (Gelegenheit zum eifrigen Gebetsmühlen drehen, mindestens drei Mal ist vorgeschrieben) und kommen auch an der Baustelle eines kleinen Tempels vorbei. Überraschender Weise stellt uns Tendi den mit Maurerkelle hantierenden Baumeister als seinen 75-jährigen Großvater vor. Es wird noch oft geschehen in den kommenden Tagen, das Tendi Bekannte trifft. Fast scheint es, als würde er das ganze Tal kennen...

Manistein bitte links vorbei! Dieser Mani-Stein ist zu umgehen - natürlich links herum!

Schließlich ist die erste Lodge gegen 16.30 Uhr erreicht. Ein wenig Spannung spüre ich schon, wie diese Quartiere wohl aussehen, immerhin sind wir durch die Vorabinformation des Veranstalters auf einiges vorbereitet. Ines und ich haben es in dieser ersten Herberge sehr gut getroffen: Im oberen Flur, bei den anderen, ist kein Raum mehr frei und deshalb bekommen wir eine schiere „Fürstensuite“. Es liegen sogar Teppiche auf dem Fußboden und der Raum hat ein eigenes, richtiges Sitzklo! Was wir nicht ahnen, das letzte für die nächsten 17 Tage. Schnell in Hüttenkleidung werfen und ab in den verglasten Aufenthaltsraum der Lodge. Bei Tee, Keksen und Gesprächen vergeht die Zeit bis zum Abendessen. Es werden dann Riesenberge von Reis gereicht, das nepalesische Nationalgericht steht dampfend auf der Tafel: Dhal Bhat (Reis mit Linsensuppe). Alles ist sehr schmackhaft zubereitet.

 

 

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