2. Trekkingtag, „Von Phakding (2610m) nach Namche Bazar (3440m)"


Von Phakding nach Namche! Klicke auf die Karte um sie größer in eigenem Fenster zu öffnen!

 

Strahlend blauer Himmel empfängt uns nach dem Aufstehen um 6.30 Uhr. Eine Stunde später ist die Morgentoilette erledigt und die pralle, knallgrüne 21kg-Reisetasche gepackt - wir sitzen beim Frühstück. Dieser Rhythmus wiederholt sich nun allmorgendlich, mit nur geringen Variationen. Das Frühstück ist einfach und auch immer fast identisch: Zum Einstieg gibt es neben Kaffee und Tee entweder Müsli, Porridge (Udo: „brrrrrr“, Ines: „Mmmmmmh“) oder Reispudding. Ich bin nicht so begeistert aber es gibt Schlimmeres. Danach folgt Toast (oft angebrannt, weil er einfach in einer heißen Pfanne zubereitet wird) mit hartem Ei, manchmal Rührei, meist ein irgendwie gebratenes Ei. Butter gibt es nie und als Toastaufstrich stehen häufig Peanut-Butter, ein wie Schmieröl aussehender, nach Aussage von „Versuchskaninchen“ auch so ähnlich schmeckender Honig und Marmelade bereit. Die Aufstriche sehen alle nicht wirklich frisch aus. Satt werden wir trotzdem immer, Ines sowieso, die Frau ist hart im nehmen und isst so gut wie alles, und ich stelle mit zunehmender Höhe eine gewisse Appetitlosigkeit fest, zumindest ist das morgens meist so.

Aufwärts durch das herrlich grüne Tal des Dudh Koshi - Namche wir kommen!
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Um 8.15 Uhr brechen wir auf, fröstelnd in Schattenzonen, angenehm gewärmt auf der anderen Flussseite, wohin die Sonne schon dringt. Dorthin wechselten wir über eine weitere Hängebrücke, sicher fünfzig Meter weit gespannt. Doch diese ist ziemlich neu und wird von armdicken Stahlseilen sicher gehalten. Seitliche Führungsseile, zu denen quergespannte Drähte führen, stabilisieren den Aufbau horizontal und lassen nur leichtes Auf- und Abwippen zu. Fast bin ich enttäuscht, weil ich alte, wackelige, vom Verfall fast unpassierbar gemachte Stege erwartete, die zu passieren Mut erfordert und ein Extraabenteuer einbringt. An diesem Tag werden noch mehrere dieser Konstruktionen folgen, nur leicht schwankend aber immer zum Fotografieren einladend.

Ob er weiß, wie fotogen er ist?
Neugier blickt uns entgegen

Heute ist die Scheu schon geringer, im Vorgehen erst einen intensiven Einblick und anschließend eventuell auch ein Foto vom Leben der Menschen am Wegesrand zu ergattern. Vornehmlich Kinder lösen schon ein wenig Entzücken aus, wenngleich sie meist reichlich dreckig und rotznäsig anzutreffen sind. Tej verordnet uns immer wieder eine „Trinkenpause“, gerne angenommen, da Eile keinen treibt und die Temperatur merklich nach oben klettert. Zur Mittagspause steuert die Gruppe wieder eine Lodge an und das bedeutet heute und an den Folgetagen jeweils eine mehr als einstündige Pause. Erst Tage später wird mir klar, dass jedes Essen frisch zubereitet wird und das dauert eben seine Zeit.

 

Nur wenige Minuten nach der Mittagsrast hält uns der Eingang in den „Sagarmatha National Park“ auf. Sagarmatha ist der Name, den die Nepalesen dem Mount Everest geben. Tej regelt den Zutritt und verschwindet zu diesem Zweck im Haus. Wir nehmen derweil eine Auszeit („Trinkenpause“) und so habe ich Zeit die bewaffneten Soldaten zu betrachten, die hier irgendetwas bewachen. Die Frage Ohne dieses Permit kein Zutritt zum Nationalpark! ist nur was. In mir kommen angesichts der ziemlich alt und abgenützt wirkenden Schnellfeuerwaffen gemischte Gefühle auf. Ganz und gar widersinnig, ja deplaziert wirkt das hier im Zusammenhang mit dieser grandiosen Natur und dem völligen Fehlen von Konflikten. Oder stehen sich diese, in ihren alten Kampfanzügen leicht abgerissen wirkenden, armen Kameraden hier die Beine in den Bauch, weil anderenorts Übergriffe maoistischer Terrorgruppen stattfanden? Wochen vorher las ich in der Zeitung davon und auch, dass nie Ausländer betroffen waren. Aber diese Gedanken sind auch schon verschwunden als Tej uns das "Permit", die Betreteerlaubnis für den Nationalpark, aushändigt. Es hat 650 Rupien gekostet, das sind umgerechnet etwa 20 Mark. Wir passieren das Eingangstor und steigen eine Steilstufe hinunter. Weitere drei Mal muss der Fluss überquert werden, immer über erstaunlich neuwertige, grundsolide ausgeführte Hängebrücken.

 

Mehrmals wurde sie uns angekündigt und dann sehen wir sie endlich, die kühn zwischen zwei Felsvorsprüngen gespannte und von Sir Edmund Hillary errichtete „Hillary Bridge“ (in der Karte als Larja Bridge eingezeichnet). Wer das ist dieser „Sir Edmund Hillary"? - Oh unwissender Flachländer! Er war der erste Mensch, der zusammen mit dem Sherpa „Tenzing Norgay“, den Sagarmatha, 1953 bestiegen hat. Sir Edmund Hillary gründete in der Folgezeit etliche Stiftungen zugunsten des Sherpa-Volkes, ließ Schulen und Krankenhäuser bauen und genießt deshalb allergrößtes Ansehen bei den hiesigen Menschen ...

 

Mit Überschreitung der Hillary-Brücke beginnt der schweißtreibende 600-Meter-Aufstieg nach Namche Bazar, dem Tagesziel. Hilfestellung gibt der starke und kalte Wind, er macht das Ganze erträglich und viel schneller und müheloser als erwartet, sehen wir dann die ersten Häuser des berühmtesten nepalesischen Bergsteigerortes vor uns. Nach Überschreitung einer Bergkuppe bietet sich ein fantastischer Blick auf die bunten Dächer des im Halbrund einer steilen Bergformation liegenden Ortes. 3400 Meter hoch befinden wir uns nun und doch vermittelt dieses Dorf irgendwie den Eindruck von Zivilisation. Vorbei an Hermann´s deutscher Bäckerei (!!!), durch die engen, mit Souvenirständen vollgepfropften Gassen Namches, erreicht die Gruppe einigermaßen erschöpft die Khumbu-Lodge. Hier werden wir zwei Nächte bleiben, mit einem Ruhetag also, um die Akklimatisation zu fördern.

Namche Bazar - seine Hausdächer künden von bunter Vielfalt ... Namche Bazar vor dem Kongde Ri

 

Akklimatisation! Der Körper braucht Zeit, um sich auf die Höhe einzustellen und so der gefürchteten Höhenkrankheit (High Altitude Sickness, HAS) vorzubeugen. Wo akklimatisiert es sich besser als in einer Bäckerei mit leckeren Donuts, „Apple-Strudel“, Chocolate Rolls und ähnlichen Genüssen? Schnell einrichten im Zimmer und dann ab in die Bakery. Nicht Herman´s deutsche, soweit kommen wir gar nicht, gleich um die Ecke ist auch eine...

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