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3. Trekkingtag, "Ruhetag
in Namche Bazar" |
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Dieser Anblick löst Begeisterung aus: Zwei Achttausender und die wunderschöne Ama Dablam auf einen Blick! |
Für
diesen Tag ist uns der erste Blick auf unser Traumziel versprochen worden -
falls das Wetter mitspielt! Der erste Blick nach dem Aufstehen um 6.30 Uhr
lässt eine gewisse Erregung aufkommen, wieder das jetzt schon bekannte,
glasklare Azurblau. |
Also werden wir ihn bald sehen, den Sagarmatha, den
Chomolungma, wie die Tibeter sagen, den Mount Everest. Um acht Uhr starten wir
zu einer kurzen zwanzig minütigen Wanderung auf einen Hügel über Namche. Dort
ist der Aussichtspunkt und ein Museum wurde eingerichtet. Wahnsinn!!! Dieser
Anblick ist gigantisch: Über den Bergkamm zwischen Nuptse (7861m) und Lhotse (8414m)
lugt der Gipfelaufbau des Mount Everest (8848m). Doch das ist nicht alles, ein
Stück weiter rechts beeindruckt die wunderschöne Gestalt der Ama Dablam (6856m)
und in jeder anderen Himmelsrichtung ragen schneebedeckte, schroffe über 6000
Meter hohe Himalaya-Eisriesen in den Himmel. Euphorische Stimmung kommt auf und
ein erstes Gruppenfoto entsteht auf einem Felsen. Hier fehlen erstmals zwei
Angehörige der Gruppe, von denen sich besonders einer später als absoluter
Egozentriker „outen“ wird.
Wie
es den Anderen geht, weiß ich im Moment nicht, doch ich mag mich kaum von
diesem Plateau mit seiner Aussicht trennen. Schon gar nicht, um ein Museum zu
besuchen: Allerlei Bildmaterial und Exponate zu Formationen, Flora, Fauna und Lebensweise
der Menschen hier im Khumbu gibt es in dem unangenehm
kalten Gemäuer zu sehen. Originalausrüstungsteile von
Mount-Everest-Expeditionen und historische Gegenstände des täglichen Lebens werten die Ausstellung auf.
Nein, nach Museum ist mir nun absolut nicht! Ich will in die Sonne, tief diese
Exotik, das Fremde und die herrliche Natur einatmen, wahrnehmen.
Tej
gibt uns jetzt „frei“, wir können Namche auf eigene Faust erkunden, treffen uns
erst am Nachmittag wieder in der Lodge. Zusammen mit Jürgen und Hans-Jörg
erkunden wir einen Weg zum Kloster auf der gegenüberliegenden Bergflanke von
Namche.
| Noch eine Schokoladenseite von Namche: Nach Osten erhebt sich das Massiv des 6608 m hohen Thamserku! |
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Hinunter in die Gassen von Namche und dann wieder hinauf zum Kloster.
Dabei lassen sich viele malerische Ansichten auf das wirklich außergewöhnlich
schön gelegene Bergdorf gewinnen. Nicht schwer zu begreifen, warum dieser Ort
bei Besuchern so beliebt ist. |
Es
ist eine Art von Herantasten, sicher auch aus Scheu vor dem fremden Glauben,
der uns das Kloster zunächst umrunden lässt. Dann traue ich mich einfach und trete durch ein
niedriges Tor in den Innenhof der Klosteranlage. Als warte er auf „Kundschaft“ - und sicher
ist es auch ein bisschen so - sitzt da ein Mönch auf einer Stufe. Auf meine
Frage nach einer Besichtigung erhebt er sich sogleich und geleitet uns in den
kleinen Gebetsraum der Klosteranlage. Scheu sehe ich mich um: Kräftige Farben herrschen überall vor.
Grün, Blau, Gelb, Weiß, Rot - wir werden noch erfahren, welche Bedeutung ihnen im Buddhismus zukommt... Ein
erstes scheues Foto von Buddha, der an der langen Seite des Raumes residiert,
die erwartete Spende in die Donation-Box gesteckt und dann wieder zurück in die
Sonne.
Wenig
später setzt sich eine Runde auf der Veranda der schon bekannten Bäckerei
zusammen. Bei Kaffee und frischem Gebäck macht es Spaß, den vor der Bäckerei
vorbeiflutenden „Verkehr“ zu beobachten: Zwischen Souvenirständen schieben sich
immer wieder Touristen, Trekker, schwerbepackte Träger und Rinder vorbei. Von
Tendi erfuhren wir, dass Namche Bazar der reichste Ort ganz Nepals ist.
Touristen, Trekker und Bergsteiger haben hier über viele Jahre hinweg große Summen
ausgegeben. Schließlich ist Namche ja der Ausgangspunkt für alle
Unternehmen in Richtung Chomolungma und auch in einige starkfrequentierte
Seitentäler. Statussymbol für die reichen Lodgebesitzer sind Häuser im
entfernten Kathmandu und vor allem studierende Kinder. Sicher führen hier auch dicke
Autos ´rum, wenn es denn eine Straße gäbe ...
Um
fünfzehn Uhr wird uns demonstriert, auf welche Weise Abhilfe möglich ist, wenn
einen von uns die "High Altitude Sickness", die Höhenkrankheit, massiv erwischen sollte. Tej und Tendi packen
den Certec-Bag aus und pumpen ihn prall auf. Das Ding mutet an wie eine
Mischung aus Mumie und Mini-Luftschiff. Aber es kann Leben retten, wenn der
Kranke darin über mindestens zweieinhalb Stunden einem Überdruck ausgesetzt
wird, der dem eines etwa 1500 Meter tiefer gelegenen Ortes entspricht. Freilich muss
dabei alle fünf Sekunden ein Luftstrom in die Plastikblase gepresst werden,
damit der Patient nicht erstickt. Ich denke mal, dass alle Gedankengänge
angesichts dieser Prozedur ähnlich sind: „Hauptsache wir brauchen das Ding
nicht wirklich!“.
Bis
zum Abendessen ist noch Zeit für einen Spaziergang durch Namche. Mich zieht der
Tibetermarkt unterhalb der Lodge an, ein buntes Durcheinander von löchrigen
Zelten und feilgebotenen Waren. Diese Händler machen den mindestens einwöchigen
beschwerlichen Marsch von Tibet herüber, um hier Decken, Kleidung und allerlei
andere Gebrauchsgegenstände an die Nepalesen zu verkaufen. Ich stelle mir vor,
was aus diesem Feldlager wird, wenn es zu regnen anfängt. Es würde alles im
Schlamm ertrinken! Unweit des Marktes lockt der Stupa des Ortes. Stupa ist ein
buddhistischer Tempel, der die Gegenwart von Buddha symbolisiert. Jedoch darf
man sich darunter nichts vorstellen, das betretbar wäre. Wie
die meisten buddhistischen Heiligtümer ist es ein Monument der Einkehr, das man
im Uhrzeigersinn umrundet. In der Nähe spielende Kinder ziehen die Blicke
magisch an und einen kleinen Jungen von ihnen nehme ich in meiner Kamera mit
nach Hause - die Scheu vor den Fremden schwindet ...