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4. Trekkingtag, „Von Namche nach Thame (3800m)" |
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Besonders Steine sind heilig! Natürlich, stammen sie
doch von diesen Eisriesen, denen das Auge hier oben in keiner Himmelsrichtung
ausweichen kann. Und dort oben wohnen die Götter. Nur sie haben die Allmacht
sich dort zu behaupten. Glaube aus dem Dunkel der Vergangenheit, als es noch
völlig undenkbar war, sich seinem Gott dort droben zu nähern! Tej
erklärt uns, dass der im oberen Teil des Stupa bewusst an dieser Stelle
eingelassene kleine Buddha auf das etwa einen Kilometer entfernte Dorf Thamo
(3493m) „schaut" - ein Glücksbringer also. Überhaupt scheint diese Stelle ein
besonders günstiger, überaus geweihter Ort zu sein, am Bergrücken oberhalb des
Stupa sind zahlreiche „Chörten" auszumachen. Chörten sind Gräber. Diese
Steindenkmäler werden nicht etwa für „important persons" - so meine Frage an
Tendi - gebaut, sondern für normale Angehörige der Familie. Wir
wenden uns dem Inneren des Tales zu. Ganz im Gegensatz zu gestern, fühle ich
mich heute stark. Gestern war wohl ein Anpassungstag für meinen Körper. Ob
diese Stärke mich nun alle Tage begleiten wird? Ich hoffe es zumindest. Es ist
unglaublich. Fast mit jedem Blick sind jetzt neue Eindrücke einzufangen, wartet
hinter jeder Wegbiegung eine neue Überraschung. Basierend auf früheren Erfahrungen, kommt mir in den Sinn, dass ein Verarbeiten
von all dem erst nachher - zu Hause - möglich sein wird. Plötzlich sitzt da
etwas völlig Exotisches mitten im Fremdartigen: Ein Yogi, ein
Hindu-Bettelmönch. Tiefbraune Haut, indo-arische Züge, bemaltes Gesicht,
langer, grauer, zotteliger Bart, so habe ich ihn in Erinnerung. Ja, verdammt,
da war sie wieder, die Scheu sofort auf den Auslöser zu drücken, zumal man ja
oft genug verbal und schriftlich ermahnt wurde, vorher das „Objekt" der
Foto-Begierde um Erlaubnis zu fragen. Und als dann jemand fragt und er sich in
Positur stellt, da will ich nicht mehr, meine Bilder sollen nach Möglichkeit
authentisch sein, mein Apparat die Realität wiedergeben. Er ist eine
unvorstellbare Existenz, unbegreiflich in seiner völligen Besitzlosigkeit. Eine
Schale hat er bei sich, Reiskörner, ungekocht, darin. Mit ihr erbettelt er sich
seinen Lebensunterhalt. Dann ist da noch ein primitives Musikinstrument. Über
etwa einen Meter spannen sich zwei Saiten (oder war´s nur eine? Mensch, hätt´
ich ihn doch bloß abgelichtet). Wann benutzt er die „Fidel" und wie und wozu?
Nach dieser Begegnung kommt in mir erstmals und sehr massiv der Wunsch auf, zu
wissen, zu lesen, über diese Religion, wie auch über die buddhistische. Ich werde
es tun! Auf Schritt und Tritt stoßen wir entlang des Weges auf Zeugnisse der
tiefen Religiösität dieses Volkes. Immer wieder auch Gelegenheit zu „drehen",
zum Beispiel Gebetsmühlen in einem Tor, dass wir kurz vor Thamo passieren. |
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| Wäscherinen im Dorf Thamo. Nicht mit Thame verwechseln! | |
| Mehr Info? -> Small hydro-power station Thame – Namche Bazar |
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Kurz
hinter Thamo rasten wir an einer Lodge, trinken Tee und aalen uns in der warmen
Elf-Uhr-Sonne. An der Wasserstelle wäscht sich jemand. Er bringt Jürgen und
Hans-Jörg auf die Idee es ihm gleich zu tun. Es sei zwar kalt aber dennoch
angenehm sagen sie. Soll ich? Ach nein, ich bin zu bequem, zu faul, zu schön
wärmt der Stern und zu herrlich ist der Ausblick. Hans-Jörg (oder war es
Jürgen?) vergisst hier seine Uhr. Erst in Thame, eine Wegstunde später, wird er
es merken und einer unserer Sherpa-Träger wird es als willkommenen Zuverdienst
sehen und ihm seinen „Wecker" wiederbringen. |
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