8. Trekkingtag, Samstag, „Von Pheriche nach Chukhung (4730m)"


 

Tej und Tendi haben - wohl schon in Namche verständigten wir uns darauf - das vorgesehene Programm geändert. Ursprünglich sollten wir heute nur kurz bis Dingboche aufsteigen und dort einen Ruhetag verbringen. Das hätte aber bedeutet am Folgetag zunächst den langen Anmarsch bis Chukhung und dann auch noch den Chukhung Ri zu bewältigen. Sinnvoll ist das keinesfalls, summiert sich das doch auf mindestens 1200 Höhenmeter. Außerdem stünden wir erst gegen Mittag auf dem Gipfel, bei dann eventuell schon stark ausgeprägter Bewölkung. Also heute Chukhung erreichen und morgen früh ausgeruht den Gipfel angehen, anschließend noch Rückmarsch bis Dingboche.

 

Volle zwei Stunden liegen an diesem kalten und strahlenden Morgen zwischen Aufstehen und Abmarsch. Das liegt auch daran, dass ich noch mit Georg zur nahe gelegenen Station der „Himalayan Rescue Association Nepal" laufe, um dort ein Antibiotikum zu kaufen, mit dem ich die begonnene Behandlung fortsetzen soll. Georg hat sich bereits gestern Nachmittag bei der Stationsärztin nach einem Präparat mit demselben Wirkstoff erkundigt. Urlaub hin Urlaub her, ein Arzt ist eben in jeder Sekunde seines Lebens Arzt! Die kleine Praxis ist noch ohne Patienten. Es ist kalt in der Station und von der Ärztin fehlt zunächst jede Spur. Nach mehrmaligem Klopfen und Rufen Eine Rechnung über 20 Mark wird mir für das Antibiotikum ausgestellt! (Das Bild zeigt nur einen Ausschnitt des Formulars) erscheint sie dann aus irgendeinem Hinterzimmer. In einem dunklen Verschlag voller Regale findet sie zwei Arzneischachteln und überreicht sie mir. Georg möchte noch in meinen Mund schauen, ob etwas zu erkennen ist. Darum lässt er sich von ihr Holzspatel und Lampe geben, kann jedoch erwartungsgemäß nichts feststellen. Da ich keine zehn Dollar dabei habe, gibt sich die englischsprachige, ausländische Ärztin mit zwanzig Deutschen Mark zufrieden und schreibt mir eine Quittung aus. Obschon ich noch keine Wirkung des Antibiotikums spüre, das mir Georg verordnete, bin aber etwas zuversichtlicher, als wir die Rescue Station verlassen. Überhaupt hat es etwas sehr Beruhigendes, Medikamente und vor allem einen Arzt bei sich zu haben...

 

Zwar habe ich mich zur langen Hose durchgerungen, verzichte aber nicht auf ein kurzes T-Shirt. Sobald die Sonne höher am Himmel stehen wird, erwarte ich angenehme Temperaturen. Aber erstmal friere ich erbärmlich an den Armen, nein, eigentlich am ganzen Oberkörper, als sich der Tross um halb zehn endlich in Von Pheriche marschieren wir heute nach Chukhung Bewegung setzt. Gedanken an eine Erkältung verdränge ich, hoffe einfach auf mein Immunsystem, dass mich zu Hause solche Unvorsichtigkeiten auch schadlos überstehen lässt. - „Aber hier auf über 4000 Meter? Ach was wird schon gut gehen!" - Zunächst steigen wir hinter Pheriche einen langgestreckten Hang hinauf, der wie ein Riegel vor dem Seitental liegt, in das uns nun der Abstecher nach Chukhung führen soll. In unserem Rücken erhebt sich vor schon wieder tief blauem Himmel der Taboche (6367m), schräg vor uns, gegen die grelle Sonne, ragen Thamserku und Kangtega auf und mit jedem gewonnenen Höhenmeter schiebt sich die wunderschöne, nun unmittelbar vor uns liegende Ama Dablam (6856m) wuchtig ins Blickfeld. Immer wieder verhält die Gruppe, genießt, staunt, nimmt auf. Eine Senke ist noch zu durchqueren, dann liegen das neue Tal und an seinem Eingang der Ort Dingboche (4410m) vor uns. Den Talschluss bilden auf der linken Seite Berühmtheiten aus Fels und Eis, der Nuptse schickt seinen Grat zum Lothse hinüber. Einmal mehr ist die Szenerie postkartenhaft schön und unwirklich. Einmal mehr mache ich mir bewusst, dass diese so nah scheinenenden Gipfel über achttausend Meter aufragen. Ja, ich bin wirklich hier - hier im Himalaya und dies hier ist das gewaltigste Gebirge der Welt!

Eingangs des Dorfes Dingboche passieren wir eine freundlich aussehende Lodge, unser Quartier für den nächsten Tag, nachdem der Chukhung hoffentlich in unserem „Tourenbuch der Erfolge" steht. Einstweilen wandern wir betont langsam durch den mit Einheimischen und vielen Trekkern belebten Ort. Ich fühle mich wohl (wahrscheinlich auf Grund einer Schmerztablette!) und kann mich nicht satt sehen.

Das Dorf Dingboche 4410m
Über Dingboche hinweg greift der Blick nach dem wolkenverhangenen Gipfel des Lothse 8414m

 

Natürlich weiß ich, dass wir uns im Jahr 2001 befinden, dass Mobiltelefone eine Realität darstellen, der Mondflug schon stattfand und zu Hause auf dem Schreibtisch ein Computer steht. Und doch versetzt mich der gerade jetzt gebotene Anblick in ein zurückliegendes Jahrhundert: Fünfzig Meter abseits des Weges, hinter einem niedrigen Mäuerchen steht eine Gruppe von vier oder fünf einheimischen Frauen und Männern um „etwas" herum und lässt die Dreschflegel darauf niedersausen. Ja, Dreschflegel, in eben der Form, wie ich sie bei rustikalen Restaurantbesuchen schon sah und auch in Bauernmuseen in der Heimat. Was das Mäuerchen noch verbarg und auch der Entfernung wegen undeutlich blieb, ist nur ein paar Schritte weiter dann direkt vor unserer Nase zu beobachten. Einen flachen Haufen von Getreide trifft Hieb um Hieb zweier Frauen. Diese Dreschflegel sind allerdings einfach nur dicke Knüppel. Einer der Bauern rafft neue Garben zusammen, um sie auf den Haufen zu schichten. Unser „Lexikon" (Heribert!) übersetzt die von Tej erhaltene englische Bezeichnung, kennt sich im übrigen auch mit fremden Getreidesorten aus, so dass wir wissen welche Feldfrüchte hier gedroschen werden: Buchweizen und Gerste. An der nächsten Wegbiegung, als hätte ein findiger Tourismusmanager das so arrangiert, sorgt der nächste Arbeitsgang für neuerliche Verzögerung. Eine Frau hält ein Sieb in ihren Händen mit Spreu und Weizen.

Bauernarbeit in Dingboche

Geschickt wirft sie die Mischung in die Luft und der stetig wehende, von ihr weg gerichtete Wind trägt den Abfall ein Stück zur Seite, die Körner fallen durch das Sieb auf eine Plane.

 

Die Szene mit den dreschenden Bauern ließ sich über eine Mauer mit Zurückhaltung fotografieren. Zu gerne hätte ich auch den letzten Arbeitsgang abgelichtet. Matthias verhält sich jedoch derart auffällig und taktlos, dass die Frau aufmerksam wird, ihren Status als eine Art „Zirkusnummer" realisiert und sich Aufnahmen mit deutlichen Gesten verbittet. Mich stoppt das. Ich wäre zum Sensationsjournalisten kaum geeignet und fiele als Paparazzo dem Hungertod anheim. Nicht so Matthias: In seiner jugendlichen Unbedarfheit und Rücksichtslosigkeit schießt er sein Bild und sucht dann feixend das Weite.

Hier scheint die Zeit stehen geblieben! Bauern dreschen ihr Getreide.

 

Am Ende des Dorfes Dingboche suchen die Blicke wieder die Bergriesen am Ende des sanft aber stetig ansteigenden Tales. Weiße Wände warten dort auf uns. Von Nuptse und Lhotse war schon die Rede, aber auch den „leichten", im Katalog des DAV Summit Club angebotenen Island Peak (6189m) zeigt uns Tej. Und zwischen anderen, nicht so renommierten, macht er uns auch auf den Gipfel des Makalu aufmerksam, ein weiterer der vierzehn Achttausender dieser Welt.

Zur Mittagszeit treffen wir auf unsere Träger, die im Windschatten eines riesigen Felsblockes und neben dem Gletscherbach Imja Khola eine einfache Feuerstelle aus Steinen eingerichtet haben, um ihr Mittagessen zuzubereiten. Der größere von zwei Töpfen, voll mit dampfendem Reis, dem „Bhat", steht etwas abseits am Boden. Auf dem von Reisig genährten Feuer köchelt irgendeine Zutat im kleineren Topf. „Irgendwas", also vermutlich das übliche „Dhal", die Linsensuppe. In ein paar Minuten, wenn wir weiter gezogen sind, werden sie sich ihr tägliches „Dhal Bhat" schmecken lassen. Für unsere eigene Mittagsrast findet sich etwa eine Stunde später eine mehr wie eine verfallene Hütte wirkender „Gasthof" am Wegrand. Ein niedriger Tisch mit Plastikstuhlkreis lädt zum rasten ein. Viel gibt es nicht, immerhin heißen Lemon Tea und die nun schon hinlänglich bekannte „RARA Noodle Soup" (hab' schon besser gegessen...). Alles ist heiß und der reichliche Batzen Nudeln macht auch satt. Dicke Wolken sind mittlerweile aufgezogen und obwohl die Sonne immer wieder für Minuten durchbricht, packen sich alle in die Jacken ein und sogar Mützen oder Kapuzen werden bemüht. Jeder spürt jetzt die Höhe von 4600 Metern auch an der empfindlich kalten Witterung. Gerne bleiben wir noch sitzen nach dem kurzen Mahl, dösen vor uns hin, hängen Gedanken nach. Heute ist meine Kondition schlecht - ein „Anpassungstag" und so bin ich froh, dass erst morgen der Gipfel ansteht.

 

Es kommt der Augenblick, da ich das Rumoren und Drängen im Unterleib nicht länger ignorieren kann und aus dem Bereich der Hütte verschwinde. Hinter Steinen erleichtere ich mich. Ist diese Bescherung nun vom Antibiotikum ausgelöst worden? Oder ein Anflug von - na hier würde man sagen - „Buddhas Raache"? Nur eine halbe Stunde später wiederholt sich der Vorgang. Schon am Vorabend, in der Lodge von Pheriche, löste sich die zuvor tagelang anhaltende Verstopfung explosionsartig. Noch weiß ich nicht, dass vier Wochen später, das Ganze immer noch nicht ausgestanden sein wird, ja noch nicht einmal die Ergebnisse der Laboruntersuchung vorliegen werden ... Dabei habe ich Glück, verfüge ich doch über einen schon in anderen exotischen Ländern erprobten, sehr robusten Verdauungstrakt, kann also das Ganze noch einigermaßen kontrollieren.

Zur Lodge wandern wir nur noch eine halbe Stunde. ChkuhungMir reicht es für heute. Mit Ines, meiner Schwäche, Zahnschmerzen und daraus resultierender Nachmittagsunlust rücke ich in das einigermaßen winzige Kabäuschen ein, das uns für heute Unterkunft gewährt. Aha! Frisch gestrichen. Es riecht intensiv nach Farbe und tatsächlich hat jemand die Wände geweißelt. Aber natürlich gab es dafür nicht ausreichend Farbe, so dass das Dunkel des Holzes noch durchscheint und die breiten Striche der Quasten deutlich sichtbar sind. Selbstverständlich gab es nicht genug Farbe! Wahrscheinlich weniger des Preises wegen, Geldsorgen hat hier sicher kein Lodgebesitzer, sondern weil doch jeder Topf von Lukla oder noch weiter her an diesen entlegenen Ort, auf diese Höhe (4730m), geschleppt werden muss.

 

Später sitze ich einigermaßen missmutig im Speiseraum und verbringe die Zeit mit lesen, reden, beobachten. Manchmal denke ich, dass mich die anderen für einen ziemlichen Stoffel halten müssen, so schweigsam, wie ich meistens bin und mein Gesichtsausdruck ist sicher sehr oft abweisend oder maskenhaft versteinert. Na ja, immerhin weiß ja mittlerweile jeder, dass ich ein glühendes Eisen in meinem Oberkiefer spazieren trage. Noch kann ich den Verdacht immer wieder verdrängen, dass die Medizin nichts bringt - das dauert eben!

Auch eine beeindruckende Gestalt: Der Taboche
Rückwärts gerichtete Blicke finden auch wunderbare Ansichten: Taboche 6367m

 

Zu uns gesellt sich im Gastraum nach und nach eine weitere Gruppe. Dazu gehören auch ein paar reichlich laute, wenn nicht gar vorlaute und überheblich wirkende „Weiber". Eine nervt besonders, weil sie jeden ihrer schlauen Kommentare so laut verkünden muss, dass es noch der Letzte mitbekommt. Durch diese überaus selbstbewusste, blondbezopfte Dame bleibt mir also nicht verborgen, dass diese DAV-Summit-Club-Gruppe vom Island Peak (6189m) zurück kommt. Und auch der dort oben offensichtlich schwer erkrankte Sherpa ist leicht mitzuverfolgendes Thema. Medizinische Termini und diagnostisches Wenn-Dann oder Da-nicht-kann-nicht werden bemüht. Ich tippe auf Krankenschwestern, eine eindeutig aus Sachsen. Sachsen wird schon gestimmt haben, mit Krankenschwestern liege ich aber voll daneben, wie sich bald zeigen wird!

 

Man hat vor, den kranken, nicht gehfähigen Sherpa bis zur Lodge zu tragen und von hier mit einem Hubschrauber auszufliegen. Einer ihrer Guides, der wenig später zur Island-Peak-Gruppe stößt, beruhigt die Gemüter mit der Nachricht, dass die Company den Hubschrauberflug bezahlen wird. Vielleicht finden es viele „normal", dass darüber geredet wird. Mir zeigt es - und ich bin davon unangenehm berührt - dass diese Menschen nicht die geringsste medizinische Hilfe zu erwarten haben, wenn sie den Weg zu einer Hilfsstation, etwa der in Pheriche, nicht schaffen. Dieser Sherpa hat einfach Glück, seine Bauchkrämpfe (so was Ähnliches war es jedenfalls) als Angehöriger einer DAV-Summit-Club-Unternehmung bekommen zu haben. Der DAV Summit Club will als Unternehmen gelten, das den sanften Tourismus fördert und fühlt sich seinen Sherpas verpflichtet. Uns schützt zu Hause ein sozialer Kokon aus Versicherungen, damit wir bei jedem Wehwehchen zum „Onkel Doktor" rennen können, auch bei Beschwerden, die wir gar nicht hätten, wenn wir auch nur annähernd so natürlich lebten wie ein Nepalese ... Und sogar in dieser Wildnis sind WIR nicht verloren, wenn ernsthafte Krankheiten drohen. Wenn ich die Zahnschmerzen nicht mehr aushalte, dann holt mich ein Hubschrauber ´raus, ich weiß das.

 

16.30 Uhr, Aufregung in und um die Lodge, der Hubschrauber fliegt ein. Alles rennt nach draußen. Hat man den Sherpa schon gebracht? Nein, es gibt nichts zu sehen. Ein ortskundiger Guide steigt zu, dann hebt der Helikopter wieder ab und holt den Kranken direkt im Basislager des Island Peak ab. Noch einige Minuten Lärm im Tal, dann ist der Hubschrauber mit dem Kranken davon.

 

Soll ich nun jedes Mal erwähnen, gleichsam um zu verdeutlichen, in welche körperliche Bedrängnis ich mehrmals täglich und auch nächtens kam, wenn mich die Notdurft wieder auf eines dieser entsetzlichen Plumpsklos trieb? Ok nein, deshalb hier zum letzten Mal, denn natürlich gibt es auch in Chukhung einen Hier geht's zur Toilette -> solchen, gehassten Ort und dem aufmerksamen Leser ist geläufig, dass meine Unpässlichkeit über den letzten Tag dieses Abenteuers hinaus anhalten wird. Noch so viel: Mit jedem neuen Tag und jeder weiteren Nacht potenziert mir dieser Körperzustand die Sehnsucht nach Kathmandu, nach dem Godavari-Hotel, nach einer richtigen, sauberen Toilette. Oh ja, ich lerne viel über mich selbst, in diesem Land und auch über den Wert von scheinbar völlig selbstverständlichen Dingen in heimischer Umgebung ... Sollte jetzt noch jemand von euch einen "gewissen" visuellen Eindruck von den "sanitären Installationen" dieser Region gewinnen wollen, dann klickt doch einfach auf das kleine Klo! Unter diesem Link findest du das Gesuchte und noche einige andere interessante Fotos aus der Gegend.

 

Zurück im Gastraum, wieder sitzen, reden, zum Lesen zu lustlos. Das Abendessen folgt, frisch zubereitet und schmackhaft wie immer. Inzwischen empfinden es einige Fleischesser wie ich allerdings schon als eintönig. Hans-Jörg hat sich zwei Büchsen gekauft, die eine mit Thunfisch, die andere mit Wurst. Gestern in Pheriche war das glaube ich und heute unterwegs, anlässlich kurzer Rast, hat er sich den Fisch mit Jürgen geteilt. Dazu gab es Knäcke von zu Hause. Danach wird mir eine Frage beantwortet, die ich mir in vielen Jahren ausgedehnter Touren in den eigenen Bergen immer wieder gestellt habe: „Was sind das für Menschen, die eine leere, praktisch gewichtslose Dose nicht mit nach Hause nehmen, um sie dort in ihre Mülltonne zu entsorgen? Wer macht sich die vergleichsweise größere Mühe, einen Stein anzuheben und das Blechding dort zu verbergen? Nun, es sind ganz normale Zeitgenossen und wie ich jetzt erlebe, nicht mal die Üblen, die so was tun. Hans-Jörg lerne ich in den nächsten Tagen noch besser kennen und sogar ob seiner Ernsthaftigkeit und der angenehmen Art schätzen. Meinen Prinzipien folgend hätte ich nun den Mund aufmachen müssen und kritisieren. Ich schwieg, beruhigte mich auch mit einem Gedanken wie „was hätte er denn sonst mit der stinkenden, öligen Fischbüchse machen sollen?". Bevor ich schnell an was anderes denken konnte, wusste ich natürlich die Antwort ...

 

Abendessen vorbei, rumsitzen - von diesem Abend erwarte ich nichts mehr. Doch in keiner Disziplin bin ich so souverän, wie im Produzieren von Irrtümern. Tendi kommt auf mich zu und unterrichtet mich von drei (!) Zahnärzten, die zur Island Peak Truppe gehören sollen. Nur ruhig, das heißt noch gar nichts, sie werden weder ihren Zahnarztstuhl, noch ihr sonstiges Handwerkszeug dabei haben. Was könnten sie also tun? Schließlich spricht Tendi mit dem Guide der „Islander", der seinerseits mit - oh je - den vorlauten Weibern und schließlich erhebt sich die blondbezopfte Nervensäge von vorhin. Ich tue es ihr gleich, gehe auf sie zu und schildere meinen Fall. Wie erwartet kann sie nichts handwerklich tun, klärt mich aber darüber auf, dass mein bisheriges Antibiotikum wirkungslos bleiben wird, da es nicht „knochengängig" ist, also an die Entzündung gar nicht ran kommt. Aber sie hat so eins im Gepäck und bringt es mir wenig später. Ich schlucke eines der dicken, grünen Kapselungeheuer und empfinde - Hoffnung! - Was für ein toller Abend! Und morgen wird ein wunderbarer Tag!

 

Eine Stunde später, beim Zähneputzen, mache ich dann eine sensationelle Entdeckung: Der Aufbissschmerz ist weg! Ich kann Ober- und Unterkiefer zusammenbringen, ohne Aufschreien zu müssen! Natürlich spüre ich noch, dass da eine Entzündung ist aber so schnell Linderung!? Das ist jetzt wirklich die Rettung - oder? Ich schmeiß mir zur Sicherheit, um schnell einschlafen zu können, noch eine Schmerztablette ein und will dann frohgemut wegdämmern. Nach einiger Zeit ist die Wirkung überfällig. Insgesamt drei Tabletten nehme ich in rascher Folge, bis ich nach schier endlosem Wachen und immer wieder Aufsitzen im engen Schlafsack wegnicke. Zuvor merke ich, dass da etwas im Oberkiefer vorgeht, nur verstehe ich nicht was.

 

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