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Allerdings
wird meine Geduld auf eine harte Probe gestellt, ein bisschen zu hart, wie sich
heraus stellt. Olaf und Matthias rennen endlos lange mitten im Motiv herum,
knipsen hier, fotografieren da. Es nervt. Als Matthias dann gar kein Ende
finden will, kann ich mir eine derbe Bemerkung nicht mehr verkneifen, die davon
handelt, ob sie „ihre Ärsche nicht endlich mal da weg bewegen können“... Na und
das tut er dann auch unter entsprechendem Maulen. Ich schieße mein Foto und
hole zunächst Tendi ein, der ein Stück weit oberhalb gewartet hat. Ines sagt
mir, dass mein verbaler Ausbruch wohl ein bisschen überzogen war, eine Ansicht
der ich innerlich schon lange zugestimmt habe.
Nachdem
der Hügel vollständig „genommen“ ist, beginnt eine Wanderung auf der
grasbewachsenen Stufe oberhalb Pheriche, entlang eines fantastischen
Panoramaweges. Etwa drei Kilometer sanft bergan, in Richtung des oberen Khumbu.
An einem aufgelassenen Gehöft (vielleicht ist auch im Moment nur niemand da,
wer kann das schon so genau unterscheiden?) lässt Tej uns rasten. Dankbar sinke
ich neben Ines auf einen Mauerrest, genieße meinen Tee und die Aussicht zum
direkt gegenüber liegenden Taboche (6367m) und seinen beiden mächtigen Nachbarn
Cholatse (6335m) sowie Arakam Tse (6423m). Verstohlen mustere ich die Anderen.
Spüren sie gleich mir heute diese Schwäche? Fühle ich den Chukhung in meinen
Beinen oder braucht mein Körper wieder einen Anpassungstag?
Tja,
der eigene Körper ist mir schon manchmal fremd, da passiert manches, das ich so
nicht kenne. Und ich habe zu akzeptieren, dass ich keine Antworten auf die
meisten Fragen bekomme: „Sind die Kopfschmerzen, die ich jeden Morgen habe,
höhenbedingt oder Ursache von zu viel Schlaf (hier muss ich 8, 9 Stunden
pennen, zu hause brauche ich nur 5 bis 6), schlechtem Schlaf, beengtem Schlaf
im Schlafsack?“ - „Ist die immer wiederkehrende Schwäche eine leichte Form der
Höhenkrankheit oder sind andere Umweltfaktoren dafür verantwortlich?“ - „Hätte
ich die Zahnschmerzen auch zu Hause bekommen oder war die Höhe ursächlich für
deren Ausbrechen?“ - „Kommt „Buddhas Rache“ vom eingeworfenen Antibiotikum oder
reagiert meine Verdauung in dieser Form auf das fremde Essen, auf die exotische
Bakterienbevölkerung im Himalaya?“ - Ich bin auf Vermutungen angewiesen,
belehrende Schlussfolgerungen für Himalayareisende verkneif ich mir daher. Fest
steht jedoch - und das bestätigen auch die anderen - dass man auf jeden Fall
mit der einen oder anderen ungewohnten Reaktion der eigenen Physis rechnen
muss. Kopfweh, Unwohlsein, Verstopfung, Durchfall, Erkältung, Halsschmerzen,
Husten, Schnupfen, Zahnschmerzen - all diese Rebellionen eines überforderten,
nicht oder noch nicht in jeder Hinsicht angepassten Körpers waren in einer
Kleingruppe von nur zehn Leuten reichlich vertreten.
Und in der einen oder
anderen Form traf es jeden. Sich hierher ohne oder mit ungenügend
ausgestatteter Reiseapotheke zu wagen, halte ich nach meinen Erfahrungen und
dem was ich bei anderen sah, für sehr leichtsinnig. Dabei geht es nicht um
Halsschmerztabletten oder Beruhigungsmittel für besseren Schlaf. Auf keinen
Fall werde ich mich je wieder außerhalb der Reichweite adäquater ärztlicher und
zahnärztlicher Betreuung ohne Antibiotikum aufhalten! Mir half nur der Zufall
in Form von trekkenden Medizinern und Zahnärzten. |
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Er ist schon eine Bergschönheit allererster Güte, der Taboche! |
Insgesamt
vergeht noch eine gute Stunde, bevor wir kurz hinter der Brücke über den
Lobuche Khola die Lodge von Dughla (4620m) erreichen. Mittagspause ist
angesagt, denn sofort hinter der Lodge beginnt der steile Anstieg zum Thokla
Pass (4830m) und bis Lobuche lädt auch kein Gasthof mehr zum Rasten ein. Elf
Uhr ist es erst. Das ist aber nicht der Grund, warum ich keinen Hunger habe und
mich mit einer RARA Noodle Soup als Pflichtübung begnüge. Ich fühle mich
einfach mies und hänge in meinem weißen Plastikstuhl herum, bis es wieder
weiter geht, nach reichlich einer Stunde. Da heißt es die zum Trocknen
ausgelegten Strümpfe und das Handtuch einsammeln, am Rucksack festmachen und
dem Zweihundert-Meter-Hang den Kampf ansagen. Alleine sind wir hier wahrlich
nicht, Hunderte von Trekkern, Trägern, mit schweren Lasten und Yaktreibern mit
ihren Tieren, keuchen gleich uns diesen mit Felsen jeder Größenordnung
durchsetzten Hang hinauf, oder kommen uns entgegen. Ein ums andere Mal bringen
wir uns vor den fell- und materialbepackten Kolossen des Himalaya in
Sicherheit. Yaks sind friedfertige Viecher, sehr sicher auf ihrem Weg aber mit
der ausladenden Fracht, die ihnen auf einem Holzgestell über den Rücken
geschnallt ist, könnten sie einen schon umreißen. Und irgendwie wissen sie
auch, dass Menschen schwächer sind (klüger?) und sowieso ausweichen ...
Versprochen
wurde uns am Pass eine Reihe von Chörten, jede eine Erinnerung an einen Sherpa,
der am Berg umgekommen ist und das Scott Fisher Memorial. Scott Fisher, einer
der berühmtesten Bergsteiger der Welt, starb im Mai 1996 zusammen mit Rob Hall
und einigen anderen in einem Sturm am Mount Everest. Es war eine der
schlimmsten Katastrophen, die es je an diesem
Berg gegeben hat. Also Grab- und Denkmale waren versprochen, Besinnung
erwartet worden. Aber eigentlich müsste ich es inzwischen ja schon besser
wissen: Jede Anstrengung wird hier doch mit Schönheit, Erhabenheit,
beeindruckenden Weitblicken belohnt. Wieder so ein wunderschöner Ort, an dem
die Kamera mehr Arbeit bekommt. Hier schießen wir auch das einzige Foto, auf
dem die komplette Gruppe, beide Guides und unsere Träger vereint sind. Der Ort
kostet Zeit. Viele Fotos sind zu machen, gegen Ama Dablam (hat diese
Bergschönheit eigentlich eine unattraktive Ansicht?), von den Chörten, vom
Memorial, Erinnerungsschnappschüsse.
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„Kannst du mal von dort drüben ein Bild
von mir machen?" fragt mich Georg. Klar kann ich, steige auch noch diese paar
Höhenmeter auf den Rücken mit den Chörten, um „Schorsch" vor der Ama Dablam zu
verewigen... Derweil wartet Tej vor dem Platz an dem das Gruppenfoto gelang und
baut Steinmännchen, die hier zahlreich das Plateau verschönern. Manchmal hat er
etwas kindlich Jungenhaftes. Er lacht oft, viel und herzlich und ist meist zu
Scherzen aufgelegt. |
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2 Guides, 6 Träger und 10 Trekker, Interessengemeinschaft auf Zeit |
Wir
haben unsere Wanderung nur ein paar Minuten fortgesetzt und eine
Geländeerhebung links umgangen, als der Zug schon wieder ins Stocken gerät und
staunend stehen bleibt. Jetzt ist ein erster Blick bis zum Schluss des oberen
Khumbu möglich, wo Pumori (7165m), Lingtren (6749m), Khumbutse (6665m) und
Nuptse (7861m) einen unüberwindlichen Riegel bilden. Die herrliche Eispyramide
des Pumori beherrscht die Szenerie und es will einem nicht in den Kopf, dass
vor wenigen Tagen fünf Spanier dort gestorben sind ...
Eine
halbe Stunde weiter erreichen wir dann Lobuche. Kein Ort, einfach eine
Ansammlung von ein paar Lodges und Zeltplätzen, die ihren Namen vom
gleichnamigen Berg (6119m) hat, dessen Hänge sich gleich hinter den Gebäuden
erheben. Eine Weile schon frage ich mich, wo der berühmt berüchtigte
Khumbu-Gletscher ist. Auf der Karte fließt er unweit Lobuche vorbei. Aber seine
etwa fünfzig Meter hoch aufgeworfene Moräne lässt keine Einblicke zu. Morgen,
während des vorgesehenen Ruhetages, ist auch eine Wanderung entlang des
Moränenkammes vorgesehen. Natürlich wäre jetzt - fünfzehn Uhr haben wir erst -
noch eine kleine Stippvisite möglich, allein mir fehlen Kraft und Lust dazu.
Ausruhen scheint mir wichtiger. Unsere Lodge für diese, die folgende und eine
Nacht auf dem Rückweg, ist die einzige mit einem Gemeinschaftsschlafraum. Heute
sind wir die einzigen Gäste. Ines und ich können uns daher auf der unteren
Etage der doppelstöckig angelegten Schlafstelle breit machen.
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