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11.
Trekkingtag, |
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Zuerst
ist der Bach zu überqueren und dabei wird verständlich, warum die
Lodge-Ansammlung ausgerechnet an dieser Stelle, unterhalb des Lobuche entstand.
Der Bach entspringt etwa dreißig Meter abseits am Fuß eines breiten Steinhügels.
Ganzjährig frisches Quellwasser in ausreichender Menge ist die wichtigste
Voraussetzung für Gasthöfe in dieser Höhe. Wir folgen dem Weg durch eine Enge
zwischen der Gletschermoräne und den Ausläufern des Lobuche, bis nach links ein
Weg in ein Tälchen abzweigt. |
| Lobuche, nichts als eine Ansammlung von Lodges und Zeltplätzen | |
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Schon nach zwei, drei Minuten öffnet sich ein
kleiner Talkessel und präsentiert Überraschendes: Bergwärts haben wir den stark
zerklüfteten, wenn auch nicht sehr großen Gletscherbruch des Lobuche vor uns.
Oder sieht er nur so überschaubar aus, weil eine Bezugsgröße fehlt? Rechts vom
Weg, am Kesselrand wurde eine einsame Lodge erbaut, vor der zwei Einheimische
sitzen. Dahinter und darüber erhebt sich eine absolut fremd und deplaziert
wirkende Pyramide aus Glas und Metall - die Forschungsstation. Ich fühle mich
in eine Science-Fiction-Szenerie versetzt, als hätten Außerirdische
dieses „Ding" hierhin gesetzt... Steinstufen führen seitlich an der Lodge
vorbei und hinauf zum Eingang der Station. Keine Tafel mit Erklärungen gibt
Aufschluss über den Sinn dieses Bauwerkes, noch können unsere Guides etwas
darüber aussagen. Von außen ist nur feststellbar, dass es eine mehr oder
weniger automatische Station sein muss, die irgendwelche Messwerte per Funk
übermittelt. Und die Energieversorgung erfolgt über Solarpaneele, die auf der
Südfläche der Pyramide angebracht wurden. Innerlich achselzuckend trete ich den
Rückweg an. | |||
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An
der Mündung des Tälchens kreuzen wir den Hauptweg und beginnen mit dem Aufstieg
auf den Kamm der Moräne. Die kaum mehr als fünfzig Höhenmeter lassen meinen
Puls mächtig ansteigen. Oben angekommen, erwartet mich die nächste dicke
Überraschung. Der Blick streift auf der anderen Seite der Moräne hinunter zum
Gletscher, doch was ich da sehe sind hauptsächlich Steine und Geröll. Nur
vereinzelt ist dazwischen Eis auszumachen und dadurch diese bröselige,
hügelige, löchrige, kiesige Zunge als Gletscher zu identifizieren. In beide
Blickrichtungen des Gletscherflusses ist kein Ende erkennbar. Viel weiter oben,
in Richtung Talschluss sind auch reinweiße Gletscherpartien sichtbar. Schön ist
er an dieser Stelle nicht, der Khumbugletscher, beeindruckt lediglich durch
seine Ausdehnung. |
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Zwischenzeitlich
betrat Tendi die Lodge, die jungen Wirtsleute sind wohl Freunde von ihm. Die
ganze Zeit über sitzt er mit der jungen Frau am Nebentisch und tauscht sicherlich
die neuesten Khumbu-Nachrichten aus. Schließlich, annähernd zwei Stunden
sind vergangen, werden auch uns die Essen serviert. Natürlich bleiben zwei
Teller stehen, die sie bestellten, sind ja abgehauen. Tendi klärt den
Sachverhalt mit dem Wirt und so landen die beiden Essen auf seinem Tisch und er
kommt zu einer kostenlosen Mahlzeit ... Ist seine zur Schau gestellte
Amüsiertheit über diese Entwicklung echt oder überspielt er nur die Situation
damit, will Peinlichkeiten vermeiden? |
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Zurück
an der Lodge, vergeht der Rest des Nachmittags hauptsächlich mit Rumstehen,
Rumsitzen und Gesprächen (vor allem mit Jürgen und Hans-Jörg). Ines und
Hans-Jörg entschließen sich zu einer gemeinsamen Waschaktion im eiskalten
Wasser des Bachs. Ines Strümpfe und Hans-Jörgs Hose hängen anschließend
glitschnass an der Wäscheleine der Lodge. Beide haben Hoffnung auf
weitgehende Trocknung in der Nachmittagssonne bei leichtem Wind. Nur leider
meldet sich die Sonne kurze Zeit später hinter der üblichen, dicken Nachmittagsbewölkung
ab. Das ist jedes Mal der Zeitpunkt, zu dem die Außentemperatur dramatisch
schnell auf unangenehme Werte fällt. Bald haben sich alle ins wärmere Innere
gerettet, ist der Yakdung im Ofen entzündet und bei einem heißen Lemon Tea wird
gelesen oder abermals geredet. Als Gesprächspartner stehen heute auch wieder
die Mitglieder unserer Parallelgruppe zur Verfügung, die uns wegen des
Tages Verzögerung wieder eingeholt haben. Um den Ofen bildet sich schnell die
gewohnte Runde verfrorener Gesellen. Wie meist gehört auch wieder Tej dazu.
Dabei unterhält er sich mit einer älteren Dame aus der anderen Gruppe. Wie sehr
doch erste Eindrücke täuschen können! Irgendwo in Deutschland, auf der Straße
getroffen oder in einem Lokal beobachtet, käme ich niemals auf die Idee, das
gemütlich, ein bisschen verhärmt aussehende „Muttchen" als geh- und höhenfeste
Trekkerin einzustufen. Nein, wirklich nicht. Aber sie schafft dieselben Wege
und Höhen wie wir Jüngeren und das verdient großen Respekt. |
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Irgendwann
bringt Hans-Jörg die noch klitschnassen Wäschestücke herein, inzwischen steif
gefroren. An der Stirnseite des mollig warmen Gastraumes, zwischen zwei eilig in die Wand gehämmerten Nägeln,
improvisiert er eine
Wäscheleine. Spät am Abend
sind die Sachen trocken. |
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Der
Zufall will es, dass ich später in der Nähe von Tej und „Papa" sitze. Tej nennt
Heribert „Papa" wegen seines Alters. Er sagt immer, dass er seine Zukunft
sieht, wenn er „Papa" anschaut und meint damit den älteren Mann, der er
irgendwann auch sein wird ... Heribert interpretiert es allerdings anders.
Vor Tagen schon hat Tej Heribert erklärt, dass er
gerne nach Deutschland käme, um dort seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Das
war bei „Papa" der Moment der schrillenden Alarmglocken, weil er, so seine
Erzählungen, bei allen Touren in ähnlicher Weise angesprochen wurde. Einige
Male ließ er sich wohl erweichen, überwand die zahlreichen bürokratischen
Hürden und lud sich ausländische Gäste ein. Finanziell ein ziemliches Risiko,
denn der deutsche Staat erteilt nur dann ein Visum, wenn der Gastgeber für alle
Kosten aufkommt. Dazu zählen zum Beispiel auch eventuelle Behandlungskosten. In
Tejs Fall macht „Papa" von Anfang an klar, dass so etwas für ihn nicht mehr in
Frage kommt. Er fühlt sich dann jedes Mal bedrängt und wirkt sehr launig, wenn
Tej die Sprache darauf bringt. So auch heute, als er ihm lediglich erzählt, die
ältere Dame habe ihm ihre Adresse gegeben und fragt, ob das als eine Art
Einladung zu verstehen ist. Das Thema kommt bis zum Ende unserer Tour immer
wieder auf, zuletzt macht sich Hans-Jörg ernsthaft Gedanken, ob und wie er Tej
die Reise ermöglichen könnte. Dabei denkt er eher an eine Arbeit in seinem
kleinen Betrieb, mit der Tej den Aufenthalt finanzieren könnte. Tej sieht sich
aber eher als Touristen in Deutschland und so kommt bei den ganzen Planspielen
letztlich nicht mehr heraus, als Hans-Jörgs Versprechen sich zu erkundigen, wie
eine Reise zu realisieren wäre. |
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