12. Trekkingtag, „Von Lobuche nach Gorak Shep (5140m) und zum Everest Base Camp"


 

Wieder weichen wir vom vorgesehenen Programm ab, das eigentlich schon für heute den Kala Pattar vorsieht. Infolge des zweistündigen Anmarsches stünden wir dann aber frühestens mittags auf dem Gipfel, wahrscheinlich mit Sichtbehinderung durch Wolken. Stattdessen wollen wir nach kurzer Rast in Gorak Shep das Base Camp anpacken. Dort wollte Tej aber partout nicht hin! Schon vor Tagen brachte er die Rede immer wieder darauf, wie unattraktiv doch das Base Camp sei. Nichts als Steine könne man dort zur Zeit zu sehen, denn in diesem Jahr hätte nicht eine Expedition den Everest als Ziel gehabt. Ungewiss überdies, ob es überhaupt einen sichtbaren, markierten Weg dorthin gibt. Das Wichtigste aber sei - so redet er mehrfach auf uns ein - dass es sich wirklich nicht lohne bis zum Base Camp vorzustoßen ... Wir redeten immer wieder darüber und fast war ich geneigt, mich Tejs Meinung anzuschließen. Andere jedoch nicht und schließlich sagte ich mir, dass das Everest Base Camp in meinen Erwartungen zu diesem Trekk immer eine wichtige Rolle gespielt hatte. Ja, ich will dorthin, wo so berühmte Männer wie Sir Edmund Hillary oder Reinhold Messner zu ihren erfolgreichen Touren gestartet waren. Ja, ich will die Athmosphäre des Ortes aufnehmen, wo so viele Tragödien ihren Anfang genommen hatten... Was Tej betrifft, so glaube ich fast körperlich seine massive Abneigung gegen das Base Camp zu spüren. Doch warum ...?

 

Als wir um sechs Uhr aufstehen habe ich zum ersten Mal wirklich gut geschlafen und das im Gemeinschaftsschlafraum. Ines geht es leider wieder schlechter, sie schleppt sich mit schlimmem Husten und nadelstichgleichen Halsschmerzen Richtung Gorak Shep. Beinahe bin ich versucht, die zwei und eine halbe Stunde des leichten Marsches bis nach Gorak Shep, als Zeit ohne Besonderheiten abzutun. Ein, zwei kurze Rasten, ein leichter Anstieg, in der Karte als „Lobuche Pass" auf 5110 Metern Seehöhe eingetragen, das ist schon fast alles. Aber natürlich geschieht dies wieder bei völlig ungetrübter - azurblauer - Sicht und zwischen fantastischen Sechs- und Siebentausendern. Sogar der Chomolungma reckt zeitweise seinen oberen Pyramidenzipfel über den Nuptsegrat. Nur leider ist mein Vokabular zu ärmlich und erschöpft, um die permanenten Superlative plastisch zu vermitteln.

 

Von Lobuche über Gorak Shep ins Everest Base Camp

Die Karte bereitet mich auf den breiten Changri-Gletscherfluss vor, der kurz hinter dem Lobuche Pass zu überqueren ist, wo er in den Khumbu mündet. Vergebens warte ich auf Eis. Stattdessen türmen sich Schutthaufen, durchzogen von riesigen Rinnen. Eis spitzt nur ab und an zwischen Geröll und Steinen durch. Ohne die Informationen der Karte und himalaya-unerfahren wie ich bin, käme ich nie auf die Idee, unter meinen Füßen zig Meter dickes Eis zu vermuten.

 

Nach dem Geröll des Gletschers und ein paar Wendungen des Weges liegt Gorak Shep plötzlich vor uns. Vielleicht fünfzig Meter tiefer ducken sich zwei Lodges an die sanft abfallenden Hänge. Das ist also der letzte, fest (?) gebaute Vorposten der Sherpa im Solo Khumbu. Nur kurz halten wir Einkehr in der Lodge, bestellen RARA Noodle Soup, weil das am schnellsten geht. Tendi hat eine positive Nachricht für uns parat: Andere Guides berichteten, einen deutlich verfolgbaren Weg ins Base Camp vorgefunden zu haben.

 

Dann die schon erwartete, dennoch große Enttäuschung: Ines entscheidet sich in der Lodge zu bleiben, die Schmerzen in Hals und Rachen sind einfach zu stark. Sie will auch keine Verschlechterung ihres Zustandes riskieren und sich ausruhen. Sich von meiner Frau verabschieden zu müssen, um Erlebnisse auf dieser Tour ohne sie zu haben, war nicht vorgesehen! Entsprechend fühle ich mich beim Abschied ...

Nuptsewände über dem Khumbugletscher

Neben der Lodge geht es ein paar Meter hinunter zu einer sandigen Ebene, mit dem Durchmesser von ein paar Fußballfeldern. Wir queren in Richtung eines kleinen, flachen Sees, der oberhalb durch Steine umgangen wird. Tej schlägt ein zügiges Tempo an. Wir sind ziemlich spät ´dran und werden etwa drei Stunden brauchen.

Vom Kamm der Moräne schaut man hinab auf den Khumbu-Gletscherfluss und in die eisstarrenden Wände des Nuptse.

 

Eine Weile wandern wir angestrengt entlang der Khumbu-Moräne, ständig auf und ab. Da es Olaf zu schnell geht, fängt er an herum zu maulen und Tejs Führerautorität in Frage zu stellen. Mir geht das extrem gegen den Strich und so haben wir einen kurzen, dafür äußerst heftigen verbalen Schlagabtausch. „So lange du noch blöde Sprüche machen kannst, hast du auch Luft zum Laufen" schleudere ich ihm entgegen und er ist zu wütend, um zu merken, dass er intensiv dabei ist, diese Aussage zu belegen. Immerhin hat er richtig viel „Drive", um mit mir zu streiten. Sachlicher war da schon mein anfänglicher, in herbem Ton vorgetragener Versuch die Problematik der heutigen Wanderung zu verdeutlichen. Tej ist deshalb auf Geschwindigkeit bedacht, so meine Worte, weil er fürchtet am Nachmittag, auf dem Gletscher in Wolken und somit schlechte Sicht zu geraten.

 

Heribert - da wirkt wohl ganz und gar der Pädagogge in ihm, integrierend, versöhnend - versucht mich zu besänftigen. Er kann ja nicht wissen, dass sein „Udo lass doch" völlig aussichtslos ist, wenn ich wirklich wütend bin... Ebenso schnell, wie der Disput begann, ist er zu Ende. Von Stund an ist das Tischtuch zwischen Olaf und mir zerrissen. Und Matthias, deutlich sichtbar eine Art „Jünger" des älteren, erfahreneren Olaf, geht auch auf volle Distanz. Später nenne ich mich insgeheim häufig einen Narren, überhaupt etwas gesagt zu haben, denn erreicht habe ich damit gar nichts. Die beiden waren von Anfang und nach diesem Vorfall zunehmend auf dem Egotrip. Ob sie dabei für die anderen eine Belastung darstellen oder gar eine Gefahr, kümmert sie nicht. Wenn man Tej etwas vorwerfen konnte auf diesem Trekk, dann lediglich seine Nachgiebigkeit in allem. Andererseits will er sicher seinen Kunden - seinen „Clients" - alles bieten, was die sich erträumt haben. Und in diesem Moment ist er natürlich hilflos, ob seiner eingeschränkten Sprachkenntnisse. Was hätte er dem gewandt auf Deutsch dahermurrenden Kerl denn entgegnen sollen? Sicher hat er anfangs nur instinktiv verstanden, um was es eigentlich geht...

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Warum tue ich mir so was an? Mit Grimm im Herzen, verbissen, nehme ich den Marsch wieder auf. Dabei wird mir mit jedem Schritt klarer, wie diese heutige Tour enden wird. Nur Minuten sind es, bis wir eine entscheidende Stelle auf dem Weg zum Base Camp erreichen. Hier heißt es cirka fünfzig Höhenmeter auf den Gletscher hinunter zu steigen, um sich dann in stetem "Up and Down" über das Geröll der Gletscherzunge ins Base Camp zu quälen. Und das soll dann auch noch eine und eine halbe Stunde dauern. Bei diesen Aussichten entschließen sich Georg, Heribert, Hans-Jörg und Jürgen umzukehren. Hans-Jörgs Begründung kann man kaum hören und versteht dennoch sofort: Er ist heiser! Aus unterschiedlichen Gründen treffen die vier, jeder für sich, eine verantwortungsbewusste Entscheidung, die jeden in meiner Achtung steigen lässt. Umkehren! - Weiß ich doch wie schwer mir selbst das fallen würde, so kurz vor einem ersehnten Ziel. Selbst wenn ich unterstelle, dass keiner der vier dabei an die Gruppe dachte, die sie durch eigene Schwäche später in Gefahr bringen könnten, zeigen sie doch ein Verhalten, dass dieser gigantischen Natur und dem großen Unternehmen angemessen ist. Es tut einfach gut zu wissen, mit diesen vier Leuten hier zu sein: Sie wissen wann es genug ist und haben begriffen, dass diese extremen Tage im Himalaya Freude bringen und doch kein Spaß sind ... Kurz vor drei Uhr, so erfahre ich später, sind sie an der Lodge zurück und leisten Ines Gesellschaft. Deren Alleinsein war damit unerwartet schnell beendet. Tendi hatte die vier ein gutes Stück des Weges Richtung Lodge begleitet, kehrte aber zu uns zurück, als er sicher war, dass sie den Weg problemlos alleine finden würden.

 

Die Schwächsten der Gruppe, Olaf und Matthias - vom ersten Tag an hatten sie sichtbar zu kämpfen - ziehen natürlich nicht die nötigen Schlüsse. Umkehren? Kein Thema! Irgendwo muss man sein Ego ja ausleben und sei es im Himalaya auf über fünftausend Meter Höhe. Schließlich hat man ja auch für das Erreichen all der spektakulären Ziele bezahlt und ein Recht darauf. Es ist keine neue Erkenntnis - nein wirklich nicht - aber immer wiedeer überraschend: Dummheit ist nicht lokal begrenzt, sie hat so viele Gesichter und Erscheinungsformen ...

 

Wir steigen zum Gletscher hinunter und betreten eine Mondlandschaft. Nein, falsch, auf dem Mond sind Steine, Sand und Staub nicht mit Eis gekittet und in den Kratern gibt es auch keine Eisseen. Der Khumbugletscher ist seltsam, völlig unerwartet in seinem Aufbau, in seinen Dimensionen allemal, mit nichts zu vergleichen, was ich bisher sah. Mir flößt er Respekt ein. Furcht nicht, dazu ist das hier alles viel zu großartig und neu. Immerhin laufe ich nach kurzer Zeit nur noch hinter Tej, das scheint mir sicherer. Ist es Unerfahrenheit, die meine anderen Begleiter so unbeschwert hin und her laufen lässt? Ich frage mich, ob das ihr erster Gletscher ist und bin fast

Ice Pinnacles - Eisnadeln

sicher. Tej hat auf diesem Untergrund alles Buben- und Schalkhafte verloren, was ihn sonst prägt. Ein bisschen kommt er mir vor wie ein Tier, witternd und auf der Hut - doch vor was? Schwer zu sagen, wie lange wir im Auf und Ab dieser bizarren Landschaft unterwegs sind. Immer wieder streift der Blick hinüber, entlang und hinauf zu den Nuptsewänden und dem reinweißen Teil des Glaciers. Im flacheren Teil ragen zig Meter hohe Eis-Stalagmiten empor. Und spätestens wenn sich die Augen am irrwitzig zerklüfteten Khumbu-Eisfall festgesehen haben, zweifele ich nicht mehr daran, dass diese gigantische Eismasse schon so oft getötet hat ...

Alles nur optische Täuschung: Die Ice Pinnacles scheinen nur noch einen Steinwurf weit entfernt.

 

Dann plötzlich, mitten auf dem Gletscher, im Nirgendwo, erklärt Tej den Marsch für beendet und uns am Everest Base Camp angekommen. Er erläutert, dass manchmal derart viele Expeditionen hier waren, dass sich das Camp über eine sehr große Fläche bis hierher erstreckte. Ob sie es ihm wirklich glauben? Dort vor Ort und bis heute bin ich voller Zweifel. Allerdings ist das belanglos, denn ein paar hundert Meter weiter sieht es auch nicht anders aus. Base-Camp-Stimmung - wie erhofft - kann ich nicht wahrnehmen, ein bisschen enttäuschend ist das alles schon. Es gibt hier einen riesigen Zeltplatz "on ice", nur leider keine Zelte...

 

Enttäuscht ist aber nur der Sensationslüsterne in mir, weil der unterschwellig erwartete Base-Camp-Kick ausfällt. Der Rest meines Ichs ist weiter nachhaltig beeindruckt. Touristisches ist nun noch zu erledigen, auch ich sammle Steine ein - Steine vom Everest, vom Khumbu-Gletscher, vom Base-Camp! Auch ich lasse mich hier fürs Album und die (hoffentlich) vielen Neugierigen zu Hause ablichten! - Dann ist noch Zeit für ein Gespräch mit Tej und ich erfahre, warum er auf diesem Gletscher die Hosen voll hat! Er erzählt vom jungen Tej. Von Tej dem Träger, angeheuert für eine Mount Everest Expedition. In meiner Vorstellung zeigt er mir diesen Gletscher in Wolken, in dichtestem Nebel, ohne jede Möglichkeit sich zu orientieren. Und er redet von einer lebensgefährlichen Situation, nach langem Herumirren, der er nur knapp entkommen ist. Zu beschreiben, was damals exakt geschah, dazu ist sein Deutsch nicht gut genug und ich muss auch nicht mehr wissen. Ich kenne das Gefühl von Angst auf einem Gletscher als Folge von Desorientierung. Vor ein paar Jahren haben Ines und ich uns in dichtem Nebel auf einem vergleichsweise winzigen Gletscherchen im Stubai verirrt, gingen einen falschen Weg abwärts, mussten zurück, fanden den richtigen, verirrten uns erneut... Zuvor rutschte ich bis zu den Hüften in eine Spalte... Also weiß ich wovon er redet. Und das hier ist nicht einfach ein Gletscher. Es ist eine Gletscherwelt, eine ausgedehnte Gletscherlandschaft. Wir reden auch über den Vorfall mit Olaf und ich erzähle ihm von meinen eigenen Erfahrungen mit der Führung von Gruppen bei uns in den Bergen. Unterbrochen und schließlich beendet wird die Unterredung von Lars: Mehrfach fragt er, ob es nicht doch möglich ist zum weißen, blanken Eis hinunter zu steigen. Wie ein Kind kommt er mir vor, das nichts von Gefahren ahnt und immer wieder quengelt. Tej - die Geduld in Person - weist ihn jedes Mal darauf hin, dass es zu gefährlich ist.

 

Fast eine halbe Stunde dürfte so vergangen sein, als wir den Rückmarsch antreten. Ohne den Erwartungsdruck in das Base-Camp zu wollen, nehme ich die unmittelbare Umgebung intensiver war. Unvergessen wird dieser gewaltige Felsblock bleiben, der auf eisiger Säule ruht - noch ruht ... Ein Großteil der Stütze ist schon geschmolzen, weit hängt der Stein bereits über. Wann wird er stürzen, rutschen? Im Vorbeigehen werfen wir größere Steine auf die erstarrten Oberflächen der Eisseen, testen die Dicke der Eisschicht. Die nächsten Stunden ist dann noch reichlich Gelegenheit zum Stehen und Bestaunen all der unbegreiflichen Naturwunder hier. Jede Menge Zusatzpausen werden uns verordnet, weil hier oben jede körperliche Dummheit unbarmherzig bestraft wird. Und so sieht man die beiden alle paar Minuten auf einem Stein sitzen oder nach vorn gebeugt und keuchen. Es sei mir erlaubt die Empfindungen dieser Momente zu verschweigen.

 

Zurück an der Lodge, fühle ich mich nun auch ziemlich matt. Am meisten freut mich zunächst, dass es Ines nicht schlechter geht und sie mir entgegen lacht. Die Ruhepause hat ihr sichtlich gut getan und so hoffe ich darauf, dass wir den Kala Pattar morgen gemeinsam schaffen können.

Khumbueisfall und Gipfelpyramide des Mount Everest
Die Gipfelpyramide des Everest ist nur auf dem ersten Teil des Weges zum Base Camp sichtbar.

Nepal empfinde ich als sehr fremd für uns verwöhnte Europäer. Doch diese

lebensfeindliche, in jeder Hinsicht extreme Himalaya-Region stellt auch eine ständige Bedrohung dar. Täglich sammelt der Rettungshubschrauber Trekker ein, die an der Höhenkrankheit leiden, anderweitig erkrankt oder verunglückt sind. Heute Abend sitzt wieder die Gruppe spanischer Bergsteiger in der Hütte, von denen fünf Kameraden durch eine Lawine am Pumori ihr Leben verloren. Es soll versucht werden (wir wissen das von unseren Guides) die Toten am Pumori zu bergen. Offensichtlich sind Spezialisten aus Italien dazu gestoßen. Eine etwa dreißigjährige, hochgewachsene, sehr resolut und offensiv auftretende Spanierin sitzt dabei. Es hat den Anschein, dass sie den Bergungsversuch leitet. Vorhin diskutierte sie lautstark und einigermaßen erregt mit einem Sherpa-Guide, der sich wohl zur Bergung der Verunglückten angetragen, anscheinend jedoch weit überzogene Lohnforderungen geäußert hatte.

 

Und dann ist da noch ein Trekker aus der Tschechei, der an unseren Tisch kommt und Tej fragt, ob er seinen Freund gesehen hätte. Der sei alleine (welch´ ein Leichtsinn) Richtung Base Camp unterwegs. Stunde um Stunde hockt er da, sichtlich geschockt und wartet. Wie will der da draußen die eiskalte Nacht beim Minusgraden überstehen? Schon wieder ein Toter? Von Toten war mehrmals die Rede, auch vor ein paar Tagen, von den beiden Frauen, die auf dem Weg zum Aussichtsgipfel Kala Pattar zusammen sanken und an Embolien starben. Eine gleich am Berg, die andere beim Abtransport. Angst empfinde ich eigentlich keine Sekunde in diesen Tagen. Das Gefühl latent vorhandener Gefahren steht mir allerdings als ständiges Ausrufezeichen im Bewusstsein. Tej erzählt, dass die Schätzung von fünfzig Trekkingopfern pro Jahr in Nepal nicht zu hoch gegriffen ist. Zu schnell, zu hoch, als Folge von Selbstüberschätzung, Missachtung von Symptomen oder völliger Unerfahrenheit, kann als Ursache dafür angenommen werden. Dabei muss wohl der Anteil der auf eigene Faust reisenden Trekker an den Opfern unverhältnismäßig hoch sein. Auch Sherpas sind dabei, die krank werden und dann vor Erschöpfung, Kälte und wegen unzureichender Ernährung sterben. Es gibt ja hier keine staatlichen Normen, die die Arbeit der Sherpas regeln und sie auf diese Weise schützen könnten. Allenfalls verantwortungsbewusste Trekkingveranstalter - wie zum Beispiel der DAV Summit Club - verordnen Beschränkungen und erbringen Garantieleistungen für die Träger ihrer Touren. Und gäbe es von oben gesetzte Normen, wer sollte deren Einhaltung hier kontrollieren?

 

Der Abend bringt einen weiteren „Höhepunkt" des Trekks: Dermaßen brechend voll und so unangenehm laut war bisher keine Lodge. Logisch, denn Gorak Shep, der letzte Außenposten im Khumbu, ist für alle Trekker Wendepunkt ihres Weges. Ohne Übernachtung hier oben, sind sowohl Base Camp, als auch der Kala Pattar nur mit allergrößten Strapazen erreichbar. Für die vielen Menschen stehen aber nur zwei Lodges zur Verfügung. Dieses Jahr sind, wegen der Weltlage, deutlich weniger Trekker unterwegs in der Hauptsaison. Das behauptet jedenfalls Tej. Also wie voll muss diese Sardinenbüchse erst zu normalen Zeiten sein?

 

Dies alles hier, umsäumt von den fantastischsten Bergen, ist so wahnsinnig extrem! Nur wer einmal hier war, vermag sich (vielleicht!) vorzustellen, was hier zu leben und zu arbeiten bedeuten muss ...

 

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