1. Tag in Kathmandu,                  
              „Stadtbesichtigung"


 

Subtropische Wärme empfängt die um 8.30 Uhr aufbrechenden Kathmandu-Touristen. Voraus ging ein üppiges, englisch beeinflusstes Frühstück. Vor dem Hotel warten ein Bus und der offizielle Stadtführer. Die Gruppe hat komplett die vorgeschlagene geführte Stadtbesichtigung gebucht. Als nach dreißig, höchstens vierzig Minuten die Busfahrt an einem völlig unscheinbaren, unbefestigten Weg (Straße?) endet, kann sich sicher keiner vorstellen, in Kürze die - nach Aussage des deutschsprechenden Führers - wichtigste und heiligste Hindu-Tempelanlage Nepals zu betreten. Dennoch ist es so! Keine zehn Gehminuten nach dem „Kassenhäuschen" stehen wir mitten im hinduistischen Heiligtum „Pashupatinath". Es liegt

Karten-Links zu Kathmandutal und Stadt
Kathmandu Valley Shopping-Zentren Highlights und Hotels
Pashupatinath am Bagmathi-Fluß

unmittelbar am heiligen Fluss Bagmati an dessen Ufern sich sakrale und Alltagsprozeduren mischen. Ich habe keinen „blassen Schimmer" vom Hinduismus (Oh, ihr wisst, wie ich das bereue!) und bin verwirrt. Gottheiten wie „Shiva" oder „Vishnu" und dass Kühe heilig sind, alles schon gehört, doch sonst? Ich höre die Erklärungen des Stadtführers, behalte die Größenordnung von mehreren Zehntausend Göttern, zu denen der Hindu betet, vergesse aber alles andere. Wie schlimm ist es eine Kuh tot zu fahren? Antwort des Führers - sicher mit ein wenig Ironie geäußert - „zehn Jahre Gefängnis bekommt man für einen auf diese Weise getöteten Menschen, zwanzig für eine Kuh ..!". In Pashupatinath ist - abgesehen von ein paar selbsternannten und fotogen bemalten Yogis - nichts Touristenfassade oder folkloristische Veranstaltung. Ich beobachte viele Menschen dabei, wie sie die zahlreichen Tempel für ihre religiösen Verrichtungen nutzen. Von der Mauer der Tempelanlage blicken wir hinunter auf des jenseitige Flussufer und werden Zeuge von

Für gläubige nepalesische Hindus der Mittelpunkt der Erde: Die Tempelanlage Pashupatinath beidseits des heiligen Bagmathi-Flusses!

Leichenverbrennungen. Auf kleinen, steinernen Podesten, direkt neben den Wassern des Bagmati, schichtet man Holz zu einem Scheiterhaufen. Oben auf liegt der Tote und dann ist es Aufgabe des ältesten Sohnes das Feuer zu entzünden. Zum Zeitpunkt unseres Besuches steigt Rauch von einer Bestattung auf und weitere sind

 

Hier noch ein paar
faszinierende Eindrücke
vom Tempelbezirk
Pashupatinath

Farbenfrohes Kathmandu
Hindus lieben kräftige Farben! Läden im Pashupatinath-Bezirk Für Nicht-Hindus sehr ungewöhnlich im Straßenbild: Heilige Kuh im Tempelbezirk Pashupatinath
Angeblich kein Grund zur Sorge! Doch warum liegt der Mann dort am Boden? Unweit des Einganges des Pashupatinath-Haupttempels: Blumen für die Götter!

in Vorbereitung. Trauernde tragen weiß, wohl fünfzehn Tage lang, bis die Feierlichkeiten zu Ende sind. Da mir diese Menschen und ihr Leben so fremd sind, ist es unmöglich alle Eindrücke und Beobachtungen zu konservieren. In meinem Kopf nistet sich das unscharfe, fast abstrakte Bild einer einzigen, quirligen, farbenprächtigen, fremdartigen, exotischen, rituellen Orgie ein ...

Wir überqueren den Fluss und streifen durch die Marktgassen rings um den großen Tempel. Ein buntes Durcheinander von Menschen, Kühen, Geschäftsauslagen, Fahrzeugen, Essständen und vielem mehr formt uns die Kulisse. Auch auf den Boden sollte man achten: Mal liegt da ein regungsloser Mensch (Trance? Verletzt? Bewusstlos?). Alle gehen

Abschied von einem geliebten Menschen ...
Wer Weiß trägt, trägt Trauer: Abschied von einem Verwandten. So beginnt der Ritus und ...
Verbrennung eines Toten in Pashupatinath ... auf dem Scheiterhaufen findet er seinen Fortgang. Die Asche des Verbrannten tragen zuletzt die Wasser des heiligen Baghmati davon ...

vorsichtig aber entschieden daran vorbei, offensichtlich also nichts Beunruhigendes. In diese Richtung weist auch die Erklärung des Führers. Dann hat sich ein großer, hellbrauner Hund ausgerechnet die Gassenmitte für sein Nickerchen ausgesucht. Die Menschen dieses Landes lieben Farben. Grellbunt leuchtet es von den Blumenständen vor dem Tempel und viele Frauen tragen Saris in intensiven Farben. Hinweisschilder am Haupteingang des Tempels verwehren uns den Zutritt: „Hindus Only" steht da. Über eine seitlich aufwärts führende Treppe verlassen wir den stark religiös geprägten Bereich und wechseln in einen anderen Stadtteil. Eine ausgedehnte Wiese, seitlich begrenzt von Buschwerk, Wäldchen und Fluss, trennen den Hindu-Tempelbezirk von einem reinen Wohngebiet. Diese Gegend Kathmandus kann man als „eher nicht vorzeigbar" charakterisieren und doch muss man solche Wohnsituationen gesehen haben, um mit keinen falschen Vorstellungen abzureisen. Der Stadtteil wirkt auf mich ärmlich, herunter gekommen, völlig unübersichtlich und verdreckt. Stellenweise

entstanden wilde Mülldeponien, direkt auf oder neben der unbefestigten Straße. Das Wort „Slum" drängt sich auf und doch ist mir klar, dass es sich hier um eine für hiesige Verhältnisse normale, überhaupt nicht ärmliche Wohngegend handeln muss. Immerhin sind die Wohnhäuser gemauert oder betoniert. Touristen kommen

Wilde Mülldeponie in Kathmandu
Es scheint niemanden zu stören, also normal: Zwischen Pashupatinath und Bodnath ist eine wilde Mülldeponie entstanden

hier auch häufiger durch, das beweisen die bettelnden, sehr hübschen Mädchen, die sich uns rasch anschließen. Warum hat uns der Guide diesen Fußmarsch vorgeschlagen? Wollte er wirklich nur von einem Besichtigungstermin zum nächsten wechseln, ohne wieder zum Bus zurück zu kehren? Oder ging es ihm darum den Fremden das unheilige, schmutzige, alltägliche Kathmandu zu zeigen? Unsere schweißtreibende Stadtwanderung - die Quecksilbersäule dürfte irgendwo in der Nähe von 25°C stehen - endet nach der Querung einer belebten, stark befahrenen Hauptstraße.

P   a s   h u   p a    t i    n a    t h   - L    i n    k   s

 
Der Stupa von Bodnath

Wir biegen in eine Seitengasse ab und dann ragt er wuchtig und unerwartet hoch vor uns auf - der Stupa von Bodnath. Mit einer kleinen Zahl von Schritten haben wir das hinduistische Glaubens- und Weltbild verlassen und das buddhistische betreten. Am Fuß hat er einen Durchmesser von (geschätzten) Hundert Metern. Von der mehreckigen Basis verjüngt sich der weiße Tempelbau in Form fünf mannshoher, begehbarer Stufen. Hierauf ruht ein massiges, gleichfalls weiß gestrichenes Kugeldrittel. Mit gelber Farbe ist die gekrümmte Oberfläche in meterbreite Schuppensegmente geteilt. Ein bisschen lässt das die Kuppel wie einen überdimensionalen Fußball aussehen. Auf der Kuppel thront ein quadratischer Steinaufbau, mit den charakteristischen, aufgemalten "Augen des Buddha" in alle vier Himmelsrichtungen. Hierüber verjüngt sich der Bau gleich einem spitzen, goldfarbenen Kirchturm und endet mit einer Art aufgesetztem „Nest" oder einer Krone. Von der Spitze spannen sich unzählige Girlanden aus Gebetsfahnen in alle Richtungen. Auch entlang des gestuften Grundaufbaus, an Masten und horizontal zwischen den Masten bilden Gebetsfahnen ein dichtes, buntes Netz.

Weltweit der größte seiner Art: Der Stupa von Bodnath

Ringsherum trennt ein etwa zwanig Meter breiter, gepflasterter Weg die Stupa von den herandrängenden, mehrstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern. Reichlich Geschäfte, die von Billig-Souvenirs bis zum 1000$ teuren feinststrukturgemalten Thangka alles mögliche feil bieten. Auch siebenundzwanzig Klöster scharen sich um den Stupa. Entlang des Weges, in der äußeren Mauer, laden hunderte von Gebetsmühlen zur rituellen Umrundung des Sakralbaus ein.

Gebetsmühlen im Stupa von Bodnath
Gebetsmühlen im Sockel des Heiligtums laden zur Umrundung ein ...
Ein Mandala entsteht durch Künstlerhand

Soweit meine Beobachtungen. Zu Hause werde ich dann noch folgendes in einer Publikation von GEO lesen: „Der Stupa von Bodnath ist eines der bedeutendsten buddhistischen Heiligtümer Nepals, ein Pilgerziel insbesondere auch für gläubige Flüchtlinge aus dem benachbarten Tibet. Der Gebetsplatz wurde vermutlich auf einer heiligen Reliquie gebaut. Einer Legende zufolge soll es sich dabei um eine Knochenstück vom Körper Buddhas handeln. Der spiralförmige Turm des Bauwerks besteht aus dreizehn Ringen, die für die dreizehn Stufen auf dem Weg ins göttliche Nirwana stehen. An Feiertagen wird der Stupa mit einer gelben Tonschicht bemalt und mit Gebetsfahnen geschmückt.“

Konzentriertes Malen auf textile Leinwand: Ein Mandala ensteht

Schon nach kurzer Zeit muss ich mich von diesem Anblick losreißen. Wir betreten ein Geschäft, das im ersten Moment wie eine Art Andenkenladen wirkt. Im ersten Stock nehmen wir in einem kleinen Raum hinter einem malenden, jungen Mann Platz. Einer der Verkäufer erläutert: Der Künstler hockt im Schneidersitz auf dem Boden und malt mit

Das Malen feinster Strukturen erfordert eine ruhige Hand ... Buddhistische Sakralkunst: Das Mandala

feinsten Pinseln auf dünnes, in einen Holzrahmen gespanntes Gewebe. Was dabei entsteht nennt man „Thangka“ oder „Mandala". Hören, nicht verstehen und vergessen! Einmal mehr ärgere ich mich über meine Unbedarftheit was diese Weltreligion angeht. Ein „Mandala“ habe ich ja schon die Mönche in Tengboche aus Farbpulvern auf hölzerner Platte verfertigen sehen aber WAS IST EIN MANDALA?- Zu Hause lese ich dann irgendwo, dass ein Mandala die "symbolische Darstellung des Weltalls" sei. Aber ist mir damit mehr geholfen? - Der ein oder andere interessiert sich jetzt im Erdgeschoss für die Preise dieses exklusiven Reisemitbringsels. Fünfzig bis einhundertundfünfzig Dollar übersteigen unseren Andenkenetat allerdings um etliche Größenordnungen ...

Die nächste Station ist ein Kurzbesuch einem der Klöster. Rechtes Interesse will hier nicht aufkommen. Keine Zeremonie ist zu beobachten und ich hätte auch (wahrscheinlich unbegründete) Bedenken, dass hier, im Zentrum touristischen Interesses vieles nicht mehr ganz so „echt" gehandhabt wird. Kaum eine Minute gönne ich mir im Gebetsraum, dann drängt’s mich wieder nach draußen in die Sonne. Einen Viertelkreis später besteigen wir die Stupa und umrunden die weiße Kuppel - natürlich im Uhrzeigersinn. Von hier

Und immer wieder ... der Stupa Farben und Formen rings um den Stupa lassen mich ein ums andere Mal auf den Auslöser drücken. Was für ein Motiv für einen Fotografier-
begeisterten!

oben hat man eine gute Aussicht über die Dächer bis hinaus zu den Hügeln vor Kathmandu. Natürlich wird die Sichtweite vom Dunst der Hauptstadt verkürzt. Die angekündigte, durch Abgase stark

verschmutzte Luft kann ich allerdings nicht bestätigen. Auch in den noch verbleibenden Tagen werde ich keinen Smog registrieren. Es weht ein leichter Wind und vielleicht bläst der beständig frische Luft aus den Bergen in die Metropole.

B o d n a t h -    L i    n k  s

 

Durch die Gasse unserer Ankunft verlassen wir den Stupa und wenden uns an der lärmerfüllten Hauptstraße nach rechts, überqueren sie und tauchen durch eine Toreinfahrt in einen ruhigen Hof ein. Hier steht unser Bus. Um den Hof gruppieren sich Werkstatt- und Ausstellungsräume einer Teppichmanufaktur. In der Werkstatt verteilen sich zahlreiche hölzerne Gestelle, die die senkrechten Fäden der Teppiche unter Spannung halten sollen. Etliche begonnene Teppiche können hier besichtigt werden. Dennoch ist die Halle fast verlassen. Sind die Frauen und Männer zum Essen nach Hause gegangen? Nur eine Frau und ein Mann blieben zurück, wahrscheinlich will man den Touristen rund um die Uhr zeigen, wie die Teppiche entstehen. Wenige

Straßenszene Kathmandu Straßenszene Kathmandu
Menschen auf den Straßen Kathmandus. Meine Erinnerung unterlegt jedes Bild mit positiven Gefühlen. Wie kann man in Armut lebend, dicht auf dicht, so entspannt und tolerant miteinander umgehen?

Sekunden der Beobachtung genügen, die Unmenge an Mühe zu taxieren, bis ein auch nur winziger Teppich geknüpft ist. Im Ausstellungs- und Verkaufsraum folgt ein kurzer Rundgang zwischen Teppichstapeln und an den Wänden aufgehängten Stücken. Nur ganz wenige entsprächen meinem Geschmack. In Kassennähe ist eine Art Preisliste angeschlagen, die die Preisgestaltung erläutert: Der Wert eines Teppichs errechnet sich aus der Anzahl der Knoten pro Flächeneinheit und dem Prozentgehalt der verarbeiteten Seide. Stücke mit 20, 40, 60, 80 und 100 Prozent Seidenanteil werden angeboten.

Immer noch eines der wichtigsten Verkehrsmittel in Kathmandu, die Fahrradrikscha Fahrradrikscha

Wenig später rumpelt der Bus durch das unübersichtlich gewucherte Kathmandu. Irgendwann passiert er die äußere, mit zig Meter hohen Gittern gut gesicherte Umgrenzung des Königspalastes. Schwer vorstellbar, dass hier der Kronprinz vor wenigen Wochen in einem irrationalen Massaker fast die gesamte, an einer Tafel zum Essen versammelte Königsfamilie ausgelöscht hat!?? In Gesprächen mit Tej und anderen Einheimischen wurde deutlich, dass die Bevölkerung dieses Trauma noch nicht bewältigt hat. Man

verdächtigt wohl auch den neuen König, der nicht sonderlich beliebt ist, an den Morden irgendwie beteiligt gewesen zu sein. Aus allen Äußerungen spricht die Verehrung, die dem toten König und seiner Frau entgegen gebracht wurde. An einer Straßenecke werden wir abgesetzt und erreichen zu Fuß das Restaurant in dem Mittagessen vorbestellt wurde. Ein „Beergarden" empfängt uns und wir nehmen auf Bänken zwischen dichter subtropischer Bepflanzung Platz. Eine Touristenoase mitten im Lärm und Dreck der unruhigen Großstadt. Nur wenige, garantiert wohlhabende Einheimische Gäste finden hierher.

 

Dem Mittagessen schließt sich ein Spaziergang durch endlos scheinende, von tosendem, buntem Leben erfüllte Einkaufsstraßen an. Sinne können diese Explosion von Leben erfassen, Hirne aber nicht verarbeiten ... Schade, diese Bilder werden verblassen: Das Kaleidoskop aus rauschenden Farben, ethnischer Gesichtervielfalt, Gerüchen, Geräuschen, Formen und religiösen Einrichtungen alle paar Meter. Feilschende, drängelnde Händler, sich ständig ändernde, hupensignaldurchschnittene Straßenbilder,

Mahendreshwar Tempel am Durbar Square

schmale, kleinwüchsige Frauenkörper in farbenfrohe Gewänder gehüllt, klapprige Rikschas. Ein einziges, desorganisiert scheinendes, ameisenhaufengleiches Hin und Her. Was für eine Stadt!??

 

Viele Gottheiten benötigen viele Tempel! Im Mahendreshwar Tempel beten die Hindus seit 1561 zu Shiva!
(1) in der Karte vom Durbar Square

 

Dicht auf dicht leben diese Menschen und stets habe ich das Gefühl von fehlender Bedrohung, gleich wie nah sie mir kommen. Wie schafft es diese so heterogen strukturierte Gesellschaft die vielen ethnischen Gruppen zu integrieren und zu so aggresionsfreiem Zusammenleben zu führen? Beispielhaft ist das völlig entspannte Nebeneinander und Miteinander der beiden großen Religionen. Warum herab schauen auf den Hindu-Nachbarn oder die dem Buddhismus anhängende Bekannte? Allem inne wohnt doch nur die Verehrung von etwas nicht Irdischem, dem Überwesen, einer göttlichen Leitfigur und dem Streben nach der Erlösung und dem Paradies. Weil das so ist, betet man auch zu Gottheiten aus dem jeweils anderen „Lager". Unvorstellbar für einen „guten" Christen oder Moslem ...

 

Jagannath Tempel

Wir befinden uns nun im Zentrum der Stadt, am Durbar Square. Der alte Königspalast und zahlreiche Pagoden verdichten sich hier zu einem weiteren Anziehungspunkt für Nepalreisende. Meine Kamera beginnt heiß zu laufen. Am Abend werde ich zwei 36er belichtet haben. Auch bei einfachen Straßenszenen halte ich drauf, hoffe auf diese Weise attraktive Bilder vom Leben dieser Stadt und ihren Menschen einfangen zu können. Nächste Station ist das völlige Kuriosum eines „Spielzeugpalastes", fast puppenstubenartig anmutend

Zwei Ansichten des Jagannath Tempels am Durbar Square. Er entstand im Jahr 1563 während der Regentschaft von König Mahendra Malla. (14) in der Karte zum Durbar Square

und bewohnt von der Kindgöttin „Kumari" und ihren Bediensteten. Die gegenwärtige Kumari ist ein viereinhalbjähriges Mädchen, das dieses religiöse „Amt" erst seit wenigen Monaten ausübt. Sie bleibt innig und hochverehrte Kumari, bis die erste Menstruation sie zur Frau macht. Ich betrete den Palast der Kumari. Bücken muss ich mich dabei, alles ist noch niedriger, als sonst, in einem Land, das von ohnehin im Schnitt kleineren Menschen bewohnt wird. Ein wenig düster wirken Innenhof und Ziegelfassaden, die Fensterrahmen aus dunklem,

Jagannath Tempel

mit Schnitzereien verziertem Holz. Ich schaue mich um, versuche etwas hinter den dunklen Fensterhöhlen der verschiedenen Stockwerke zu entdecken. Für einen Wimpernschlag sehe ich in der obersten Etage das Gesicht einer schon älteren Frau - mehr nicht. Die Kumari wird zu bestimmten Zeiten den Gläubigen gezeigt.

Der Kumari Palast Der Palast der Kindgöttin Kumari, erbaut 1757. (36) Rechts im Bild ein Teil des Trilokyamohan Narayan Tempels von 1680. (32) Er ist Gott Vishnu geweiht

Im Augenblick unterbleibt das jedoch, aus Gründen, die ich nicht verstehe. Ach ja, wir schauen nur, sehen, vielleicht registrieren wir auch, verstehen hingegen können wir so gut wie gar nichts. Aber tut das der

Begeisterung auch nur um Haaresbreite Abbruch? Mich hat ein Strom von starken und stärksten Impressionen weggerissen und lässt mich - wie auf Hilfe und spätere Erklärung hoffend - ständig den Auslöser meiner Kamera drücken ... Was für eine unbeschreibliche Welt!!??

 

Durbar Square Links Kumari Links
pagodesymb.jpg 80x69 pagodesymb.jpg 80x69 pagodesymb.jpg 80x69 pagodesymb.jpg 80x69

 

Ich sitze im Hotelzimmer, bin geduscht, habe auf BBC World erfahren, dass die Welt sich trotzt Krieg in Afghanistan noch unbeeindruckt dreht, fühle mich stark gesättigt vom reichlichen Abendessen und fasse nur schwere, mehr tropfende Gedanken, woran das genossene Bier Schuld sein mag. Ines schläft schon und mir geht beim Notieren noch einmal der ganze Tag durch den Kopf. Jetzt, in der Stille des schwach beleuchteten Zimmers, wundere ich mich ein weiteres Mal darüber, dass das ganze, chaotisch anmutende Wogen und Gewimmel der Massen in Kathmandu so total ohne jede Aggression verlief. Was macht diese Menschen, die auch so oft, so herzlich und so gerne lachen, derart friedfertig??

 

      back-pfeil.gif 81x85