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unmittelbar am
heiligen Fluss Bagmati an dessen Ufern sich sakrale und Alltagsprozeduren
mischen. Ich habe keinen „blassen Schimmer" vom Hinduismus (Oh, ihr wisst, wie
ich das bereue!) und bin verwirrt. Gottheiten wie „Shiva" oder „Vishnu" und
dass Kühe heilig sind, alles schon gehört, doch sonst? Ich höre die Erklärungen
des Stadtführers, behalte die Größenordnung von mehreren Zehntausend Göttern,
zu denen der Hindu betet, vergesse aber alles andere. Wie schlimm ist es eine
Kuh tot zu fahren? Antwort des Führers - sicher mit ein wenig Ironie geäußert -
„zehn Jahre Gefängnis bekommt man für einen auf diese Weise getöteten Menschen,
zwanzig für eine Kuh ..!". In Pashupatinath ist - abgesehen von ein paar
selbsternannten und fotogen bemalten Yogis - nichts Touristenfassade oder
folkloristische Veranstaltung. Ich beobachte viele Menschen dabei, wie sie die
zahlreichen Tempel für ihre religiösen Verrichtungen nutzen. Von der Mauer der
Tempelanlage blicken wir hinunter auf des jenseitige Flussufer und werden Zeuge
von |
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Für gläubige nepalesische Hindus der Mittelpunkt der Erde: Die Tempelanlage
Pashupatinath beidseits des heiligen Bagmathi-Flusses! |
Leichenverbrennungen. Auf kleinen, steinernen Podesten, direkt neben
den Wassern des Bagmati, schichtet man Holz zu einem Scheiterhaufen. Oben auf
liegt der Tote und dann ist es Aufgabe des ältesten Sohnes das Feuer zu
entzünden. Zum Zeitpunkt unseres Besuches steigt Rauch von einer Bestattung auf
und weitere sind
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Hier noch ein paar faszinierende Eindrücke
vom Tempelbezirk Pashupatinath
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in Vorbereitung. Trauernde tragen weiß, wohl fünfzehn Tage
lang, bis die Feierlichkeiten zu Ende sind. Da mir diese Menschen und ihr Leben
so fremd sind, ist es unmöglich alle Eindrücke und Beobachtungen zu
konservieren. In meinem Kopf nistet sich das unscharfe, fast abstrakte Bild
einer einzigen, quirligen, farbenprächtigen, fremdartigen, exotischen,
rituellen Orgie ein ...
Wir überqueren den Fluss und streifen durch die
Marktgassen rings um den großen Tempel. Ein buntes Durcheinander von Menschen,
Kühen, Geschäftsauslagen, Fahrzeugen, Essständen und vielem mehr formt uns die
Kulisse. Auch auf den Boden sollte man achten: Mal liegt da ein regungsloser
Mensch (Trance? Verletzt? Bewusstlos?). Alle gehen |
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Wer Weiß trägt, trägt Trauer: Abschied von einem Verwandten. So beginnt der Ritus und ... |
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... auf dem Scheiterhaufen findet er seinen Fortgang. Die Asche des Verbrannten tragen zuletzt die Wasser des
heiligen Baghmati davon ... |
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vorsichtig aber entschieden
daran vorbei, offensichtlich also nichts Beunruhigendes. In diese Richtung
weist auch die Erklärung des Führers. Dann hat sich ein großer, hellbrauner
Hund ausgerechnet die Gassenmitte für sein Nickerchen ausgesucht. Die Menschen
dieses Landes lieben Farben. Grellbunt leuchtet es von den Blumenständen vor
dem Tempel und viele Frauen tragen Saris in intensiven Farben.
Hinweisschilder am Haupteingang des Tempels
verwehren uns den Zutritt: „Hindus Only" steht da. Über eine seitlich aufwärts
führende Treppe verlassen wir den stark religiös geprägten Bereich und wechseln
in einen anderen Stadtteil. Eine ausgedehnte Wiese, seitlich begrenzt von
Buschwerk, Wäldchen und Fluss, trennen den Hindu-Tempelbezirk von einem reinen
Wohngebiet. Diese Gegend Kathmandus kann man als „eher nicht vorzeigbar"
charakterisieren und doch muss man solche Wohnsituationen gesehen haben, um mit
keinen falschen Vorstellungen abzureisen. Der Stadtteil wirkt auf mich ärmlich,
herunter gekommen, völlig unübersichtlich und verdreckt. Stellenweise
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entstanden wilde Mülldeponien, direkt auf oder neben der unbefestigten Straße.
Das Wort „Slum" drängt sich auf und doch ist mir klar, dass es sich hier um
eine für hiesige Verhältnisse normale, überhaupt nicht ärmliche Wohngegend
handeln muss. Immerhin sind die Wohnhäuser gemauert oder betoniert. Touristen
kommen |
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| Es scheint niemanden zu stören, also normal:
Zwischen Pashupatinath und Bodnath ist eine wilde Mülldeponie entstanden |
hier auch häufiger durch, das beweisen die bettelnden, sehr hübschen
Mädchen, die sich uns rasch anschließen. Warum hat uns der Guide diesen
Fußmarsch vorgeschlagen? Wollte er wirklich nur von einem Besichtigungstermin
zum nächsten wechseln, ohne wieder zum Bus zurück zu kehren? Oder ging es ihm
darum den Fremden das unheilige, schmutzige, alltägliche Kathmandu zu zeigen?
Unsere schweißtreibende Stadtwanderung - die Quecksilbersäule dürfte irgendwo
in der Nähe von 25°C stehen - endet nach der Querung einer belebten, stark
befahrenen Hauptstraße.
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Wir biegen in eine Seitengasse ab und dann ragt er
wuchtig und unerwartet hoch vor uns auf - der Stupa von Bodnath. Mit einer
kleinen Zahl von Schritten haben wir das hinduistische Glaubens- und Weltbild
verlassen und das buddhistische betreten. Am Fuß hat er einen Durchmesser von
(geschätzten) Hundert Metern. Von der mehreckigen Basis verjüngt sich der
weiße Tempelbau in Form fünf mannshoher, begehbarer Stufen. Hierauf ruht ein
massiges, gleichfalls weiß gestrichenes Kugeldrittel. Mit gelber Farbe ist die
gekrümmte Oberfläche in meterbreite Schuppensegmente geteilt. Ein bisschen
lässt das die Kuppel wie einen überdimensionalen Fußball aussehen. Auf der
Kuppel thront ein quadratischer Steinaufbau, mit den charakteristischen,
aufgemalten "Augen des Buddha" in alle vier Himmelsrichtungen. Hierüber verjüngt sich
der Bau gleich einem spitzen, goldfarbenen Kirchturm und endet mit einer Art
aufgesetztem „Nest" oder einer Krone. Von der Spitze spannen sich unzählige
Girlanden aus Gebetsfahnen in alle Richtungen. Auch entlang des gestuften
Grundaufbaus, an Masten und horizontal zwischen den Masten bilden Gebetsfahnen
ein dichtes, buntes Netz. |
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Weltweit der größte seiner Art: Der Stupa von Bodnath |
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Ringsherum trennt ein etwa zwanig Meter breiter,
gepflasterter Weg die Stupa von den herandrängenden, mehrstöckigen Wohn- und
Geschäftshäusern. Reichlich Geschäfte, die von Billig-Souvenirs bis zum 1000$
teuren feinststrukturgemalten Thangka alles mögliche feil bieten. Auch
siebenundzwanzig Klöster scharen sich um den Stupa. Entlang des Weges, in der
äußeren Mauer, laden hunderte von Gebetsmühlen zur rituellen Umrundung des
Sakralbaus ein. |
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Gebetsmühlen im Sockel des Heiligtums laden zur Umrundung ein ... |
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Soweit meine Beobachtungen. Zu Hause werde ich dann noch
folgendes in einer Publikation von GEO lesen: „Der Stupa von Bodnath ist eines
der bedeutendsten buddhistischen Heiligtümer Nepals, ein Pilgerziel
insbesondere auch für gläubige Flüchtlinge aus dem benachbarten Tibet. Der
Gebetsplatz wurde vermutlich auf einer heiligen Reliquie gebaut. Einer Legende
zufolge soll es sich dabei um eine Knochenstück vom Körper Buddhas handeln. Der
spiralförmige Turm des Bauwerks besteht aus dreizehn Ringen, die für die
dreizehn Stufen auf dem Weg ins göttliche Nirwana stehen. An Feiertagen wird
der Stupa mit einer gelben Tonschicht bemalt und mit Gebetsfahnen geschmückt.“ |
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Konzentriertes Malen auf textile Leinwand: Ein Mandala ensteht |
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Schon nach kurzer Zeit muss ich mich von diesem
Anblick losreißen. Wir betreten ein Geschäft, das im ersten Moment wie eine Art
Andenkenladen wirkt. Im ersten Stock nehmen wir in einem kleinen Raum hinter
einem malenden, jungen Mann Platz. Einer der Verkäufer erläutert: Der Künstler
hockt im Schneidersitz auf dem Boden und malt mit
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| Das Malen feinster Strukturen erfordert eine ruhige Hand ...
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feinsten Pinseln auf dünnes,
in einen Holzrahmen gespanntes Gewebe. Was dabei entsteht nennt man „Thangka“
oder „Mandala". Hören, nicht verstehen und vergessen! Einmal mehr ärgere ich
mich über meine Unbedarftheit was diese Weltreligion angeht. Ein „Mandala“ habe
ich ja schon die Mönche in Tengboche aus Farbpulvern auf hölzerner Platte
verfertigen sehen aber WAS IST EIN MANDALA?- Zu Hause lese ich dann irgendwo, dass ein
Mandala die "symbolische Darstellung des Weltalls" sei. Aber ist mir damit mehr
geholfen? - Der ein oder andere interessiert
sich jetzt im Erdgeschoss für die Preise dieses exklusiven Reisemitbringsels.
Fünfzig bis einhundertundfünfzig Dollar übersteigen unseren Andenkenetat
allerdings um etliche Größenordnungen ...
Die nächste Station ist ein Kurzbesuch einem der
Klöster. Rechtes Interesse will hier nicht aufkommen. Keine Zeremonie ist zu
beobachten und ich hätte auch (wahrscheinlich unbegründete) Bedenken, dass hier,
im Zentrum touristischen Interesses vieles nicht mehr ganz so „echt" gehandhabt
wird. Kaum eine Minute gönne ich mir im Gebetsraum, dann drängt’s mich
wieder nach draußen in die Sonne. Einen Viertelkreis später besteigen wir
die Stupa und umrunden die weiße Kuppel - natürlich im
Uhrzeigersinn. Von hier |
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Farben und Formen rings um den Stupa lassen mich ein ums andere Mal auf den Auslöser drücken. Was für
ein Motiv für einen Fotografier- begeisterten! |
oben hat man eine gute Aussicht über die Dächer bis hinaus
zu den Hügeln vor Kathmandu. Natürlich wird die Sichtweite vom Dunst der
Hauptstadt verkürzt. Die angekündigte, durch Abgase stark |
verschmutzte Luft
kann ich allerdings nicht bestätigen. Auch in den noch verbleibenden Tagen
werde ich keinen Smog registrieren. Es weht ein leichter Wind und
vielleicht bläst der beständig frische Luft aus den Bergen in die Metropole.
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Durch die Gasse unserer Ankunft verlassen wir den
Stupa und wenden uns an der lärmerfüllten Hauptstraße nach rechts, überqueren
sie und tauchen durch eine Toreinfahrt in einen ruhigen Hof ein. Hier steht
unser Bus. Um den Hof gruppieren sich Werkstatt- und Ausstellungsräume einer
Teppichmanufaktur. In der Werkstatt verteilen sich zahlreiche hölzerne
Gestelle, die die senkrechten Fäden der Teppiche unter Spannung halten sollen.
Etliche begonnene Teppiche können hier besichtigt werden. Dennoch ist die Halle
fast verlassen. Sind die Frauen und Männer zum Essen nach Hause gegangen? Nur
eine Frau und ein Mann blieben zurück, wahrscheinlich will man den Touristen
rund um die Uhr zeigen, wie die Teppiche entstehen. Wenige
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Menschen auf den Straßen Kathmandus. Meine Erinnerung unterlegt jedes Bild mit positiven Gefühlen.
Wie kann man in Armut lebend, dicht auf dicht, so entspannt und tolerant miteinander umgehen? |
Sekunden der
Beobachtung genügen, die Unmenge an Mühe zu taxieren, bis ein auch nur
winziger Teppich geknüpft ist. Im Ausstellungs- und Verkaufsraum folgt ein
kurzer Rundgang zwischen Teppichstapeln und an den Wänden aufgehängten Stücken.
Nur ganz wenige entsprächen meinem Geschmack. In Kassennähe ist eine Art
Preisliste angeschlagen, die die Preisgestaltung erläutert: Der Wert eines
Teppichs errechnet sich aus der Anzahl der Knoten pro Flächeneinheit und dem
Prozentgehalt der verarbeiteten Seide. Stücke mit 20, 40, 60, 80 und 100
Prozent Seidenanteil werden angeboten.
| Immer noch eines der wichtigsten Verkehrsmittel in Kathmandu, die Fahrradrikscha |
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Wenig später rumpelt der Bus durch das
unübersichtlich gewucherte Kathmandu. Irgendwann passiert er die äußere, mit
zig Meter hohen Gittern gut gesicherte Umgrenzung des Königspalastes. Schwer
vorstellbar, dass hier der Kronprinz vor wenigen Wochen in einem irrationalen
Massaker fast die gesamte, an einer Tafel zum Essen versammelte Königsfamilie
ausgelöscht hat!?? In Gesprächen mit Tej und anderen Einheimischen wurde
deutlich, dass die Bevölkerung dieses Trauma noch nicht bewältigt hat. Man |
verdächtigt wohl auch den neuen König, der nicht sonderlich beliebt ist, an den
Morden irgendwie beteiligt gewesen zu sein. Aus allen Äußerungen spricht die
Verehrung, die dem toten König und seiner Frau entgegen gebracht wurde. An
einer Straßenecke werden wir abgesetzt und erreichen zu Fuß das Restaurant in
dem Mittagessen vorbestellt wurde. Ein „Beergarden" empfängt uns und wir nehmen
auf Bänken zwischen dichter subtropischer Bepflanzung Platz. Eine Touristenoase
mitten im Lärm und Dreck der unruhigen Großstadt. Nur wenige, garantiert
wohlhabende Einheimische Gäste finden hierher.
Dem Mittagessen schließt sich ein Spaziergang durch
endlos scheinende, von tosendem, buntem Leben erfüllte Einkaufsstraßen an.
Sinne können diese Explosion von Leben erfassen, Hirne aber nicht verarbeiten
... Schade, diese Bilder werden verblassen: Das Kaleidoskop aus rauschenden
Farben, ethnischer Gesichtervielfalt, Gerüchen, Geräuschen, Formen und
religiösen Einrichtungen alle paar Meter. Feilschende, drängelnde Händler, sich
ständig ändernde, hupensignaldurchschnittene Straßenbilder,
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schmale,
kleinwüchsige Frauenkörper in farbenfrohe Gewänder gehüllt, klapprige Rikschas.
Ein einziges, desorganisiert scheinendes, ameisenhaufengleiches Hin und Her.
Was für eine Stadt!?? |
Viele Gottheiten benötigen viele Tempel! Im Mahendreshwar Tempel beten die Hindus
seit 1561 zu Shiva! (1) in
der Karte vom Durbar Square |
Dicht auf dicht leben diese Menschen und stets habe
ich das Gefühl von fehlender Bedrohung, gleich wie nah sie mir kommen. Wie schafft
es diese so heterogen strukturierte Gesellschaft die vielen ethnischen Gruppen
zu integrieren und zu so aggresionsfreiem
Zusammenleben zu führen? Beispielhaft
ist das völlig entspannte Nebeneinander und Miteinander der beiden großen
Religionen. Warum herab schauen auf den Hindu-Nachbarn oder die dem Buddhismus
anhängende Bekannte? Allem inne wohnt doch nur die Verehrung von etwas nicht
Irdischem, dem Überwesen, einer göttlichen Leitfigur und dem Streben nach der
Erlösung und dem Paradies. Weil das so ist, betet
man auch zu Gottheiten aus dem jeweils anderen „Lager". Unvorstellbar für einen
„guten" Christen oder Moslem ...
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Wir befinden uns nun im Zentrum der Stadt, am Durbar
Square. Der alte Königspalast und zahlreiche Pagoden verdichten sich hier zu
einem weiteren Anziehungspunkt für Nepalreisende. Meine Kamera beginnt heiß zu
laufen. Am Abend werde ich zwei 36er belichtet haben. Auch bei einfachen
Straßenszenen halte ich drauf, hoffe auf diese Weise attraktive Bilder vom
Leben dieser Stadt und ihren Menschen einfangen zu können. Nächste Station ist
das völlige Kuriosum eines „Spielzeugpalastes", fast puppenstubenartig anmutend
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Zwei Ansichten des Jagannath Tempels am Durbar Square.
Er entstand im Jahr 1563 während der Regentschaft
von König Mahendra Malla. (14) in der
Karte zum Durbar Square |
und bewohnt von der Kindgöttin „Kumari" und ihren Bediensteten. Die
gegenwärtige Kumari ist ein viereinhalbjähriges Mädchen, das dieses religiöse
„Amt" erst seit wenigen Monaten ausübt. Sie bleibt innig und hochverehrte
Kumari, bis die erste Menstruation sie zur Frau macht. Ich betrete den Palast
der Kumari. Bücken muss ich mich dabei, alles ist noch niedriger, als sonst, in
einem Land, das von ohnehin im Schnitt kleineren Menschen bewohnt wird. Ein
wenig düster wirken Innenhof und Ziegelfassaden, die Fensterrahmen aus dunklem, |
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mit Schnitzereien verziertem Holz. Ich schaue mich um, versuche etwas hinter
den dunklen Fensterhöhlen der verschiedenen Stockwerke zu entdecken. Für einen
Wimpernschlag sehe ich in der obersten Etage das Gesicht einer schon älteren
Frau - mehr nicht. Die Kumari wird zu bestimmten Zeiten den Gläubigen gezeigt.
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Der Palast der Kindgöttin Kumari, erbaut 1757. (36)
Rechts im Bild ein Teil des Trilokyamohan Narayan Tempels von 1680. (32)
Er ist Gott Vishnu geweiht |
Im Augenblick unterbleibt das jedoch, aus Gründen, die ich nicht verstehe. Ach
ja, wir schauen nur, sehen, vielleicht registrieren wir auch, verstehen
hingegen können wir so gut wie gar nichts. Aber tut das der |
Begeisterung auch
nur um Haaresbreite Abbruch? Mich hat ein Strom von starken und stärksten
Impressionen weggerissen und lässt mich - wie auf Hilfe und spätere Erklärung
hoffend - ständig den Auslöser meiner Kamera drücken ... Was für eine
unbeschreibliche Welt!!??
| Durbar Square Links |
Kumari Links |
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Ich sitze im Hotelzimmer, bin geduscht, habe auf BBC World
erfahren, dass die Welt sich trotzt Krieg in Afghanistan noch unbeeindruckt
dreht, fühle mich stark gesättigt vom reichlichen Abendessen und fasse nur
schwere, mehr tropfende Gedanken, woran das genossene Bier Schuld sein mag.
Ines schläft schon und mir geht beim Notieren noch einmal der ganze Tag durch
den Kopf. Jetzt, in der Stille des schwach beleuchteten Zimmers, wundere
ich mich ein weiteres Mal darüber, dass das ganze, chaotisch anmutende Wogen
und Gewimmel der Massen in Kathmandu so total ohne jede Aggression verlief. Was
macht diese Menschen, die auch so oft, so herzlich und so gerne lachen, derart
friedfertig??
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