Um 9.15 Uhr erwartet uns Tendi in Kahtmandu an der
Haltestelle des Hotelbusses. Wir sind zu acht, lediglich die beiden
Eigenbrötler fehlen. Tendi hatte versprochen, uns zu guten Geschäften mit
reellen Preisen zu führen, damit jeder seine notwendigen Urlaubseinkäufe
tätigen kann. Außerdem liegt ihm offenbar sehr daran uns - keiner weiß warum - zu
sich nach Hause und zum Essen einzuladen. Herzliche Begrüßung und Hallo, dann marschiert
er vorneweg, mitten hinein ins morgendliche Kathmandu.
Zu dieser frühen Stunde ist Kathmandu noch nicht ganz so
umtriebig, chaotisch und verwirrend. Oder kommt es mir nur so vor, weil ich das
gestrige Bombardement der Eindrücke über Nacht ein wenig |
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Karten-Links zu Kathmandutal und Stadt |
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verarbeitet habe? Es
gelingen einige Schnappschüsse von Menschen, ihrem Handel und Wandel. Händler
sitzen vor ihren Auslagen und warten auf Kundschaft. Deutlich unterscheidbar
sind Gassen, in denen touristische Angebote dominieren und solche, in denen Waren
für den täglichen Bedarf der Einheimischen feil geboten werden. Interessanter,
exotischer, lehrreicher sind natürlich letztere.
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Morgendlicher Einkauf in Kathmandu. Die Straßen für Einheimische erkennt
man schon an der fehlenden Asphaltierung. Kanalisation? Ich forsche danach, sehe jedoch keine ... |
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Langsam füllen sich unsere Rucksäcke mit Einkäufen: Kleine
geschnitzte Steckschachspiele können mit ein bisschen Feilschen für sage und
schreibe fünf Mark erstanden werden. Käufer finden sich auch für reich
verzierte Messer, T-Shirts mit Trekkingaufdrucken und Georg ersteht zwei
ziemlich teure handgemalte Mandalas, eines sogar für 105$. Ines und ich
entscheiden uns für einen Lampenschirm, Briefbögen und Notizbuch aus
Reispapier, zwei Sätze Gebetsfahnen, nepalesische Briefmarken - sie sind als
Geschenk für den Sammler in der Familie gedacht - und kleine Döschen mit
Tigerbalsam. Heribert möchte seinen beiden erwachsenen Töchtern unbedingt Saris
kaufen und „missbraucht" Ines in einem von Einheimischen frequentierten
Geschäft als Modell. Das |
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Gewand steht ihr. In den aufkeimenden Wunsch, sie
gleichfalls so einzukleiden, mischt sich sofort die Frage, bei welcher
Gelegenheit sie das zu Hause wohl tragen könnte. Als sehr wertvoller Begleiter
erweist sich Tendi. Er kennt und findet nicht nur auf Anhieb die richtigen
Geschäfte, nachdrücklich „begrenzt" er auch gleich überzogene
Preisvorstellungen der Händler.
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Alltagsbilder aus Kathmandu: Gemüse, Früchte, Gemischtwaren, Bekleidung,
in engen Gassen gibt es alles zu kaufen was Nepalesen wirklich brauchen. |
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Zeit zum Mittagessen! Tendi verfrachtet uns kurzerhand in
drei winzige Taxis und die rasen mit uns zwanzig Minuten quer durch Kathmandu.
Irgendwo in der Weite des Kathmandu-Tales, in einem der zahllosen Stadtviertel
ist die Fahrt zu Ende. Wir steigen aus und laufen die letzten Meter zu Tendis
Wohnung. Wenn er sich in Kathmandu aufhält, lebt er dort mit zwei Schwestern
und einer Nichte. Sein Schwager arbeitet einige Jahre in USA und wird erst 2002 wieder einmal nach Hause
kommen. Schon vor der herzlichen Begrüßung durch Schwestern und die kleine,
wirklich süße Nichte, schlägt uns Essenduft entgegen. Befangenheit kommt gar
nicht erst auf, zu selbstverständlich scheint es für die Familie uns als Gäste
zu bewirten. Es schmeckt vorzüglich und natürlich essen wir zu viel! Noch immer
rätsele ich über Tendis Beweggründe für diese schöne Geste einer Einladung!
Später wird er gegenüber Lars und Günther äußern, dass es ihm eine Ehre gewesen
sei, uns zu sich einzuladen. Geschah es, weil er sich gerade mit den beiden
immer ausgezeichnet verstanden hat? Oder hat die allgemeine Unterstützung
anlässlich seiner Herzprobleme, insbesondere die Fürsorge Georgs, den Ausschlag
gegeben? Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass er jede Gruppe, die
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er
als Guide betreut, in Haus und Familie einführt. Er wohnt mit seinen Schwestern
in - auch für unsere Verhältnisse - ansprechender Umgebung. Die Wohnung lässt
erkennen, dass Guides in Nepal zu den Spitzenverdienern zählen. Gegen
fünfzehn Uhr ist es Zeit sich zu verabschieden. Leider hatten die beiden Frauen
ausschließlich in der Küche zu tun (oder ist es bei solchen Gelegenheiten nicht
üblich, dass die Hausfrauen mit dabei sind?) und so war auch ansatzweises
Kennenlernen nicht möglich. |
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Zu Hause bei Tendi und seiner Famile: Gleich wird gegessen, nur noch
schnell ein Erinnerungsfoto mit Ines und Jürgen! |
Ein letztes Winken, dann
brechen wir mit Tendi auf. Er möchte uns nach Swayambonath führen, ein schöner,
weithin sichtbarer Stupa auf einem der höheren Hügel im Stadtgebiet von
Kathmandu. Um dorthin zu gelangen, wandern wir ein paar Minuten durch Tendis
Viertel, wo sich Bebauung und Felder abwechseln. An der nächsten stark
befahrenen Straße versucht Tendi zunächst wieder mehrere Taxis zu stoppen, gibt
aber dann einem heran rumpelnden Bus ein Zeichen. Dieses Gefährt nutzen sonst
nur Einheimische. Es hält überall, wo ein- oder aussteigewillige Fahrgäste dies
signalisieren und der Busschaffner schreit lauthals nach Passagieren. Bezahlt
wird beim Verlassen der uralten aber scheinbar noch fahrtüchtigen Klapperkiste.
Für uns endet die Fahrt direkt gegenüber einer riesigen, mit Goldbronze
gestrichenen Buddhastatue. Mamorne Stufen führen zum Plateau, auf dem zunächst
der viereckige, abgestufte Sockel der Statue errichtet wurde. Der Sockel ist in
kräftigen Grundfarben mit allerlei Ornamenten bemalt, deren Sinn sich mir
vollständig
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Die späte Nachmittagssonne lässt den Buddha glühen! |
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verschließt. In den Händen hält der Buddha ein blaues Gefäß. Es ist
eine sehr gepflegte Kultstätte, alles wirkt ziemlich neu und sauber. Schräg
hinter dem Buddha arbeiten Handwerker gerade an der Verzierung eines kleinen
Stupa. Tendi führt uns über eine Straße zur Treppe, die auf den Hügel führt.
Das dabei gestreifte Stadtviertel ist dicht durchsetzt mit religiösen Stätten.
Gegenüber eines Klosters drehen wir eine übermannshohe Gebetsmühle, mehrfach,
wie es der unverständliche Ritus vorschreibt. Der Aufstieg nach Swayambonath
beschleunigt unseren Atemrhythmus gewaltig. Aber das lohnt sich, denn hier
steht nicht nur ein wunderschöner Stupa, man hat auch eine fantastische
Aussicht über einen großen Teil des Kathmandu-Tales. Die tiefstehende
Spätnachmittagsonne taucht den Stupa in weiches, warmes Licht. Einen schöneren
Zeitpunkt für den Besuch dieses heiligen Ortes kann ich mir nicht vorstellen.
Es ist ein von realem, religiösem Leben erfüllter Ort, wenngleich auch etliche
ausländische Reisende den Weg herauf gefunden haben. Das stört jedoch keinen
der zahlreichen Gläubigen, die im letzten Glanz der Sonne ihre Gebete sprechen.
Leider sind wir spät dran und haben so nur eine Viertelstunde, mithin keine
Muße. Es gilt rechtzeitig den Abfahrtsort des Hotelbusses zu erreichen und |
dazu
ist noch halb Kathmandu zu durchqueren. Auf der dem Anstiegsweg abgewandten
Seite verlassen wir Swayambonath über eine endlos scheinende und gefährlich
steile Treppenanlage. Gefährlich ist der Abstieg allerdings nicht nur der üblen
Treppe wegen, es liegt auch an den Affen, die hier zu Hauf herumwuseln und die
Konzentration stören. Auf halber Höhe verzögern Stände mit Kunstgegenständen
und feinen Handwerksarbeiten das Fortkommen.
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Die untergehende Sonne taucht den Stupa von Swayambonath in ein geheimnisvolles Licht. |
Am Fuß des Hügels brandet
uns die quirlige Geschäftigkeit der Stadt entgegen und Tendi müht sich wieder
um drei Taxis. Das soll wohl hier so eine Art Taxistand vorstellen? Immerhin
gelingt es Tendi binnen Sekunden drei Fahrzeuge zu chartern und die rattern
auch sofort mit uns los. Warum ich es „rattern“ nenne? Nein, es liegt nicht am
Zustand der Fahrzeuge, nur fahren wir eine ganze Weile auf unbefestigten
Straßen. Alles an den Straßenrändern ist über und über mit Staub bedeckt und
manche Passanten schützen ihr Gesicht mit Tüchern, wenn die Dreckfahne sie
erwischt, die wir hinter uns herziehen. Irgendwann stecken wir dann im
„Feierabendverkehr“ im Gewirr der engen Gassen Kathmandus fest. Diese
superschmalen Gassen wurden einstmals für alles mögliche frei gelassen,
Fußgänger, Tragtiere, vielleicht Rickschas aber ganz bestimmt nicht für Autos
oder gar Lastwagen. An einem winzigen Platz mit einer kleinen Kultstätte in der
Mitte, treffen drei Straßen aufeinander und die aus allen Richtungen, nach
allen Richtungen drängenden Ströme sind scheinbar hoffnungslos ineinander
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verkeilt, verhakt, verfilzt. Für Taxifahrer ist Zeit natürlich auch in
Kathmandu Geld und so versuchen sie unter Aufbietung aller Tricks und mit
gewaltigem Gedrängel und Gehupe durchzukommen. Unser Fahrer erzeugt dadurch bei
einem anderen Autofahrer sogar so etwas wie Unmut oder Verärgerung. Sicher
selten, so eine Gefühlsregung hier beobachten zu können. Der Taxifahrer muss
wohl von Tendi erfahren haben, dass
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wir es eilig haben. Nachdem in der
gewünschten Richtung alles verstopft zu sein scheint, dreht er um und kämpft
sich rückwärts. Es ist schon ein besonderes Erlebnis in der Rush Hour in
rasantem, aberwitzigem Tempo durch Kathmandu kutschiert zu werden. Originalton
meiner Frau: „Taxifahren in Kathmandu ist geil!“ Verkehrsregeln gibt es
natürlich, vor allem das Linksfahrgebot, ansonsten werden sie offensichtlich
ignoriert, so lange man dadurch schneller vorwärts kommt. Überaus chaotisch
wirkt das auf mich. Immerhin, es funktioniert und Unfälle kann ich keine
registrieren. Es klappt, wir erreichen den Hotelbus rechtzeitig. Tendi bleibt
nach herzlichem Abschied zurück. Er verspricht, uns am Freitag zum Flughafen zu
begleiten.
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